Drei angesehene tibetische Bürger festgenommen, ein Mann erschossen

IGFM München, 20. April 2012

Nach Protesten gegen die staatliche Einmischung in das Leben der Klöster nahmen die chinesischen Behörden im Bezirk Driru in der Präfektur Nagchu, TAR, drei vor Ort hoch angesehene Tibeter fest.

Wie ein im Exil lebender Tibeter mit Kontakten zu der Gegend RFA mitteilte, sind Ende Februar ein Arzt der traditionellen tibetischen Medizin, ein Geschäftsmann und ein Lehrer aus Driru festgenommen worden. Wegen der überwältigenden Sicherheitspräsenz in der Autonomen Region Tibet dringen Nachrichten nur noch spärlich nach draußen.

Im Februar hatten Mönche des Klosters Pekar und Hunderte von Ortsansässigen gegen die chinesische Herrschaft protestiert (1). Von den drei Festgenommenen, die alle mit tibetischer Medizin zu tun hatten, fehlt nun jegliche Spur.

Am 28. Februar nahmen die Behörden den 55jährigen Urgyen Tenzin, einen weithin bekannten Spezialisten der traditionellen tibetischen Heilkunde, in Gewahrsam, um ihn zu verhören. Später brachten sie ihn nach Lhasa, wo sie ihn im Haftzentrum des Public Security Bureau festhielten.

„Obwohl sie nichts Belastendes gegen ihn fanden, ist er immer noch in Haft“, fügte die Quelle hinzu. „Seit über 30 Jahren behandelte er tibetische Patienten vor Ort, wobei Mönche, Nonnen und Schüler nichts bezahlen mußten. Auch den Schwachen und Armen bot er unentgeltliche Behandlung an“.

Auch Tenzin Thabkey, ein Absolvent des Instituts für Tibetische Medizin, der über Einfluß in der Gegend verfügte, wurde am 25. Februar in der Hauptstadt festgenommen, weil er „die soziale Stabilität“ beeinträchtigt habe. „Aus der Gemeinde Lenchu im Bezirk Driru stammend, arbeitete er zur Zeit seiner Festnahme als Lehrer an einer Privatschule in Lhasa“.

Und am 23. Februar nahmen sie den Geschäftsmann Nyima Tsering fest. Er war im Immobiliengeschäft tätig und führte ein großes Hotel, außerdem handelte er mit cordyceps sinensis, dem in der Volksheilkunde so wichtigen Raupenkeulenpilz. „Er ist einer der prominentesten Geschäftsleute in unserer Gegend“.

Am 8. Februar hatten Hunderte von Einwohnern von Driru bei einer Protestaktion gefordert, daß die Behörden sich aus den religiösen Angelegenheiten heraushalten sollten, außerdem forderten sie „Unabhängigkeit und die Rückkehr des Dalai Lama“. Die Protestaktionen wurden dadurch ausgelöst, daß die Behörden kommunistische Parteikader in das Kloster Pekar und andere Klöster in der Region von Nagchu entsandt hatten, um die Mönche zur Teilnahme am „patriotischen Unterreicht“ zu zwingen, was viele Mönche zum Verlassen ihres Klosters veranlaßte.

Am nächsten Tag kamen fünf Lastwagen voller Sicherheitskräfte an, die die Bevölkerung warnten, daß sie auf sie schießen würden, falls „sie nicht an sich hielten“. Und den Mönchen und Nonnen, die ihre Posten in ihren Klöstern aus Protest gegen die behördliche Einmischung verlassen hatten, drohten sie mit Gefängnis, falls sie nicht zurückkehrten.

Bei einem anderen Zwischenfall erschossen die Behörden in der Provinz Gansu einen Tibeter, der sich zu wehren versuchte, als sie ihn unter dem Verdacht, aus einem Laden Gold gestohlen zu haben, festnehmen wollten. „Bei dem Handgemenge verletzte er zwei Polizisten, woraufhin sie auf ihn schossen. Er starb auf der Stelle“. Der etwa 30jährige Tabuk wurde am 5. April von der chinesischen Polizei in der Gemeinde Achok im Bezirk Labrang (oder Sangchu, chin. Xiahe), TAP Kanlho, getötet.

Auf seinen Tod hin wollten die Tibeter in seinem Heimatdorf Sekok zu der Bezirksverwaltung marschieren und wegen der Erschießung protestieren. „Zu diesem Zeitpunkt intervenierten einige hochgestellte Lamas und rieten von dem Vorhaben ab. Sie verhandelten mit den Behörden, die der Familie Tabuks schließlich als Entschädigung 200.000 Yuan zahlten“.

Bereits 2011 hatte die Polizei einen Tibeter in der Stadt Labrang einfach auf den Verdacht des Golddiebstahls hin erschossen, ohne irgendwelche Ermittlungen angestellt zu haben, verlautet aus derselben Quelle. „Und dieses Jahr wurde nun Tabuk aus demselben Grunde erschossen, übrigens waren die zwei Opfer miteinander verwandt“.

Und im Januar drangen die Tibeter in die Polizeistation von Achok ein, nachdem die Sicherheitskräfte in der Gemeinde Nanba einen Mann getötet hatten, der angeblich Zelte von einer umstrittenen Baustelle entwendet haben soll (2).

(1) 29. Februar 2012, „Katastrophale Lage in den Klöstern in Driru“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/RFA/2012/Derge-Nangchen-Driru_29.2.html

(2) 12. Januar 2012, „Tibetischer Dorfbewohner von Polizei erschossen“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2012/GurgoTseten_12.1.html

Quelle: Radio Free Asia, www.rfa.org