Ein junger tibetischer Mönch und vorbildlicher Schüler verbrannte sich sich am 17. Juli in Ngaba

IGFM München, 21. Juli 2012

Ein 18jähriger tibetischer Mönch starb heute am 17. Juli als Folge seines Selbstverbrennungsprotestes im Bezirk Barkham der TAP Ngaba (chin. Aba), Provinz Sichuan.

Lobsang Lozin, der Teenager-Mönch aus dem Kloster Gyalrong Tsodun Kirti in Barkham zündete sich um die Mittagszeit auf dem Platz vor der großen Gebetshalle des Klosters an. Von Flammen umtobt tat er ein paar Schritte in Richtung auf das dortige Verwaltungsgebäude, stürzte aber bald zu Boden. Er starb auf der Stelle.

„Als er in Flammen stand, rief er viele Slogans, aber niemand konnte genau hören, was er rief“, sagten die Mönche Kanyag Tsering und Lobsang Yeshi vom Kloster Kirti in Dharamsala.
Andere Mönche brachten Lobsangs verbrannten Körper in das Kloster, wo sofort Gebete und Rituale für den Verstorbenen durchgeführt werden. Er würde später am Abend eingeäschert, verlautet weiter aus der Quelle.

Auf die Selbstverbrennung hin begaben sich Sicherheitskräfte in großer Zahl, auch Milizen der Bewaffneten Volkspolizei, zu dem Kloster, aber an der Brücke in der Nähe des Klosters versuchten die ortsansässigen Tibeter sie aufzuhalten. Es ist zu befürchten, daß die Situation eskalieren wird.

Lobsang Lozin, der Sohn von Jorgyal und Tsepop, stammt aus der Khargotsang Sippe im Dorf Sholachang in der Gemeinde Gyalrong Tsodun, Bezirk Barkham, Präfektur Ngaba. In jungen Jahren trat er in das Gyalrong Tsodun Kirti Kloster ein, das auch den Namen Gyalrong Tsodun Kirti Geden Tashi Choeling trägt. Es heißt, Lobsang Lozin sei ein vorbildlicher Mönchsschüler gewesen, der in seinen monastischen Studien ausgezeichnete Leistungen erbrachte.

„Der Mönch wurde im Knabenalter in das Kloster aufgenommen, er war sehr gut in seinen Studien, einer der besten Schüler und von vorbildlichem Charakter und Verhalten“, sagten Kanyag Tsering und Lobsang Yeshi.

Lobsang Lozin ist der dritte Mönch des Klosters Gyalrong Tsodun Kirti, der zum Opfer einer Selbstverbrennung wurde. Am 30. März 2012 setzten sich zwei Mönche desselben Klosters, Chime Palden, 21, und Tenpo Dhargyal, 22, aus Protest gegen die chinesische Politik im Bezirk Barkham in Brand (1). Chime Palden starb einen Tag nach seiner Tat, während Tenpa Dhargyal eine Woche später seinen Verbrennungen erlag.

Das Kloster Gyalrong Tsodun Kirti, das etwa 80 km nördlich der Bezirksstadt Barkham liegt, ist mit über 300 Mönchen eines der größten Gelugpa-Kloster in der Gegend von Gyalrong.

Mit diesem Vorfall stieg die Zahl der Selbstverbrennungen in Tibet seit Februar 2009 auf 44. Die meisten ereigneten sich in den von Tibetern bewohnten Gebieten in Sichuan, Qinghai und Gansu. Als Folge des extrem harten Vorgehens der chinesischen Sicherheitskräfte nimmt diese Welle immer größere Ausmaße an.

Die Behörden haben Hunderte von Mönchen aus den Klöstern festgenommen und Dutzende von tibetischen Schriftstellern, Künstlern, Sängern und Lehrern ins Gefängnis gesteckt, weil sie für die tibetische nationale Identität und die Bürgerrechte eintraten.

Lobsang Sangay, der tibetische Premierminister im Exil sagte, die Selbstverbrennungen seien eine Folge des mangelnden Rechtes auf freie Meinungsäußerung und konventionelle Protestformen, denn Tibeter, die einfach nur demonstrieren, stünden in großer Gefahr, festgenommen, gefoltert und sogar getötet zu werden.

„Da ihnen das Recht auf weniger extreme Protestformen verweigert wird, setzen sich Tibeter nun als eine politische Aktion in Brand“, schrieb er letzte Woche in der Washington Post.

Fast alle Feueropfer waren unter 50 Jahren, fuhr er fort, womit er andeutete, daß sie in dem Tibet unter chinesischer Besatzung, also nach 1959 geboren und aufgezogen wurden, wo die Chinesen ein “sozialistisches Paradies” verhießen haben.

„Diese jungen Tibeter hätten eigentlich die “Hauptnutznießer” des chinesischen politischen Systems und seiner Bildungsmöglichkeiten, Wirtschaft und Kultur sein sollen. Statt dessen bedeuten sie eine unmißverständliche Anklage gegen die verfehlte Politik der chinesischen Regierung in Tibet - eine Politik, die von Unterdrückung, sozialer Ausgrenzung, kultureller Assimilierung und Umweltzerstörung gekennzeichnet ist“. „Dies sind die Hauptursachen für diese feurigen Demonstrationen und Todesfälle“, fuhr Sangay fort.

Die chinesischen Behörden haben die „Selbstverbrenner“ als Terroristen, als von der Gesellschaft Ausgestoßene, Kriminelle und Geistesgestörte bezeichnet und den Dalai Lama bezichtigt, zu den Verbrennungen anzuspornen.

(1) 2. April 2012, „Mit dem Tod von Chimey Palden ist die Zahl der Todesopfer durch Selbstverbrennung auf 24 gestiegen“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/diir/2012/TenpaDhargeyChimePaldentot_31.1.html

Quelle: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy, www.tchrd.org