Hebammen aus der Region sind richtig sauer

connektar.de Presseverteiler, 21. Juli 2012

Vergütungsverhandlungen zwischen Kassen und Hebammenverbänden scheitern vorerst

Freiburg/Emmendingen/Breisgau-Hochschwarzwald/Kaiserstuhl/Markgräfler Land, Juli 2012 - Jetzt verständigten sich der GKV-Spitzenverband (Spitzenverband Bund der Krankenkassen) und die drei maßgeblichen Hebammenverbände (Deutscher Hebammen Verband, Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands, Netzwerk der Geburtshäuser) auf eine Teilanhebung der geburtshilflichen Vergütungspositionen freiberuflicher Hebammen mit Wirkung zum 1. Juli 2012. Die Erhöhung soll als Ausgleich der zum gleichen Termin wirksam gewordenen neuerlichen Prämienerhöhung zur Berufshaftpflicht dienen. Auch die rund 200 Hebammen in der Region rund um Freiburg sind von dieser scheinbaren Einigung betroffen, doch was bringt sie ihnen tatsächlich?

„Es handelt sich bei dem jetzt getroffenen Kompromiss ja nur um eine Teileinigung, die die jüngste Prämienerhöhung zur Berufshaftpflicht betrifft“, so die Freiburger Hebamme Marlis Binnig, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes, Damit sei lediglich der Status quo vor der Prämienerhöhung wieder hergestellt. An der seit Jahren völlig unbefriedigenden Vergütungssituation der Hebammen in der Region, von denen viele am Existenzminimum leben, habe sich jedoch nichts geändert.

In den Verhandlungen mit den Kassen sollten die Vergütungen freiberuflicher Hebammen so angepasst werden, dass es ihnen ermöglicht wird, ihren Lebensunterhalt in Zukunft aus eigener Kraft zu bestreiten. Das Angebot der Krankenkassen betrug linear fünf Prozent auf alle Positionen und auf einzelne Bereiche eine größere Erhöhung. Durch die Abrechnungsfrequenzen hätte dies in der Gesamtsumme einer Zehn-Prozent-Steigerung entsprochen. Die Vergütung für Hebammenleistungen ist jedoch so niedrig, dass weder fünf noch zehn Prozent eine wirkliche Einkommensverbesserung darstellen. Deshalb haben die Hebammenverbände dieses Angebot, insbesondere unter Berücksichtigung der Bestätigung der schlechten Einkommenssituation der Hebammen durch das IGES-Gutachten*, abgelehnt. Die Verbände fordern nun 30 Prozent mehr und schalten die Schiedsstelle ein, um damit hoffentlich ein besseres Ergebnis zu erzielen.

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*( www.iges.de/presse07/pressemeldungen_2012/hebammenhilfe/index_ger.html )

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Zwischen Oberkante und Unterlippe … Das alles macht wütend!
(Betroffene Hebammen aus der Region lassen ihrem Unmut über die Vertragsverhandlungen Luft.)

Levka Soder (41) ist freie Hebamme in Kirchzarten und eine von zahlreichen Betroffenen: „Als ausschließlich freiberuflich tätige Hebamme und alleinerziehende Mutter ist es fast nicht möglich, von der unverschämt niedrigen Vergütung zu leben! Das Wasser steht uns wahlweise Unterkante Oberlippe oder Oberkante Unterlippe, wenn es gut läuft. Hinzu kommt, dass wir nicht selbst entscheiden können, wie wir unsere Rente gestalten. Es gibt Zeiten, da weiß ich nicht mehr, wovon ich unseren Lebensunterhalt bestreiten soll. Geschweige denn, so etwas wie „Freizeit“, jede freie Minute kommt meiner Tochter zugute, damit diese genug Mama haben kann, um zu gedeihen. Es ist mir kaum möglich, Fortbildungen zu bezahlen. In den Urlaub fahren wir in diesem Jahr haargenau einen Tag. Es ist erniedrigend und entwürdigend, dass Hebammen, die eine solch elementare Arbeit aus vollstem Herzen verrichten, am Existenzminimum herumkrebsen. Wir ersparen den Kassen und der Gesellschaft durch unsere Arbeit, die in höchstem Maße präventiv orientiert ist, enorme Kosten und den kleinen und großen Menschen oft genug enormes Leid! Es ist an der Zeit, dass wir anständig bezahlt werden. Ich fordere die Verdoppelung der Vergütung!!!“

Auch Uschi Böcking (48), freie Hebamme in Wittnau, ist wütend: „Es wird Zeit, endlich mal offen zu sagen, dass offenbar weder politisch noch seitens der meisten Ärzte Interesse besteht, uns Hebammen in der außerklinischen Geburtshilfe zu behalten. Im Gegenteil! Die großen Meinungsmacher wollen große Perinatalzentren, am besten alles operativ und das zu den üblichen Geschäftszeiten. Rechtlich abgesichert, planbar, schnell und lukrativ! Mit dieser minimalen Erhöhung der Gebühren ist lediglich die Öffentlichkeit ruhig gestellt worden, denn die hat nun den Eindruck, unser Protest habe genutzt. Das alles macht wütend. Wir sollten gemeinsam dafür einstehen, dass Menschlichkeit, Geduld und Mitgefühl in der Geburtshilfe nicht verloren gehen und anständig vergütet wird. Das sind einige der Grundzüge, die neben dem Fachwissen um das Geburtsgeschehen erheblich dazu beitragen, ein gutes Geburtserlebnis zu erfahren sowohl für die Mutter, als auch für das Kind. Mein Vorschlag wäre die Versicherung aller Hebammen, Geburtshelfer und Gynäkologen von den allgemeinen Steuern zu bezahlen, denn warum sollen ein paar wenige, die sich bereit erklären, diese unberechenbare Phase zu begleiten, allein dafür zahlen, wo doch die ganze Gesellschaft darauf angewiesen ist, dass Kinder geboren werden. Das alles soll uns in die Knie zwingen. Mich nicht!“

Jutta Posch (56), freie Hebamme aus Freiburg, ergänzt: „Es ist wirklich empörend, wie die Gebührenverhandlungen in der Presse dargestellt werden. So wurde ich von „informierten“ Kundinnen darauf angesprochen, dass wir ja nun mit unseren Forderungen endlich Gehör gefunden und ein sehr gutes Ergebnis erzielt hätten. Aktuell erhalten wir also rückwirkend ab dem 1. Juli lächerliche acht Cent mehr pro Hausbesuch! Damit sind angeblich die Kosten ausgeglichen! Die eigentlichen Gebührenverhandlungen jedenfalls gehen weiter, was auch dringend geboten ist, da der alte Vergütungsvertrag schon seit Januar 2012 nur noch übergangsweise in Kraft ist.“

Stellt Euch der Verantwortung! – Offener Brief an den GKV-Spitzenverband
In einem offenen Brief an die Verhandler des GKV-Spitzenverbandes wendeten sich die Hebammenverbände zudem an die Medien, um ihren Unmut über die Verhandlungsmethoden des GKV-Spitzenverbandes zu äußern. Im Brief fordern sie den GKV-Spitzenverband auf, auf taktische Spielchen zu verzichten und sich endlich der längst überfälligen Verantwortung zu stellen. Diese wurde in den vergangenen Wochen auch durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Gesundheitsministerkonferenz, den Gesundheitsminister, eine Bürgerabstimmung und Petitionen großer Fachverbände gefordert. Den ganzen Brief gibt es u.a. auf der Website des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands e. V.: http://www.bfhd.de/aktuelles.html. „Wir sind zuversichtlich, dass es im September in der Schiedsstelle zu einer positiven Einigung kommt“, so Mela Pinter (51), Hebamme in Freiburg und Vorstandsmitglied im Netzwerk der Geburtshäuser e.V.

Mehr Informationen zu den Vergütungsverhandlungen und der Berufshaftpflicht für Hebammen, Kreis Freiburg, gibt es bei Marlis Binnig, Telefon 07 61 / 6 96 63 18, E-Mail: binnig@diak-fr.de.

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Kurzprofil Deutscher Hebammenverband
Der Deutsche Hebammenverband vertritt die Interessen von knapp 18.000 Mitgliedern. Ungefähr 60 Prozent der Hebammen sind freiberuflich tätig, rund 30 Prozent arbeiten sowohl angestellt als auch freiberuflich. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit das zentrale Anliegen des Deutschen Hebammenverbandes. www.hebammenverband.de

Kurzprofil Deutscher Hebammenverband, Kreisverband Freiburg – Breisgau-Hochschwarzwald – Emmendingen:
Der Kreisverband bildet die Kontaktstelle zwischen den Mitgliedern im Kreis Freiburg – Breisgau-Hochschwarzwald – Emmendingen und dem Landes- und Bundesverband der Hebammen. Die Kreisvorsitzenden geben Informationen vom Landes- und Bundesverband an die Basis weiter. Umgekehrt vermitteln sie die Anliegen, Sorgen und Probleme der Basis weiter an die Landes- und Bundesebene. Zudem bieten sie interessierten Frauen und Familien ihre Leistungen an und engagieren sich zunehmend politisch und öffentlichkeitswirksam für die Belange dieses traditionsreichen und gefährdeten Berufes. Ansprechpartnerin: Marie-Anette Trappen, Telefon: 07641/570846, E-Mail: info@meinehebamme.de, www.meinehebamme.de.

Kurzprofil Netzwerk der Geburtshäuser e.V. :
Das Netzwerk vertritt bei den Gebührenverhandlungen aktuell 41 von rund 120 Geburtshäusern in Deutschland und ist Mitglied in der Schiedsstelle. Nach der Aufnahme in das SGB Nr. V der Hebammenleistungen und des Ergänzungsvertrages nach § 134 a sind die Arbeitsbedingungen und deren Vergütung in den Geburtshäusern der Schwerpunkt der Verhandlungen des Netzwerkes. Ansprechpartnerin: Mela Pinter (Vorstand NW d. GH) Telefon: 0171/3826884, www.geburtshaus.de.

Außerdem:
www.bfhd.de (Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands BfHD e.V.)
www.hebammenfuerdeutschland.de (Initiative zum Erhalt individueller Geburtshilfe)

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