Platonakademie (118). Neuer Knacks im Anthropozentrismus / Die Universität Toronto, Öttingers Re-Industrialisierungsplan, die Munich Re und PM(97)) / Angst vor Gorilla-Dasein

Platon-Akademie, 6. Oktober 2012

Es sind ja zwei Dinge, die die integrierte Universitätswissenschaft nicht bewältigt, weil es gegen das Selbstverständnis der Menschheit ginge: Für die Physiker ist es die Zeit, die sie nicht menschengerecht manipulieren können, und für die Ökonomen spielt diese Rolle die Evolutionstheorie (s. PM(99)), die die Natur durch Versuch und Irrtum aufgebaut sieht. Das Zugeständnis, die Komplexität steure die Mutationen zielgerecht, nämlich epigenetisch, würde da die Kompetenz des Menschen relativieren. Er erkennt in der zufälligen Mutation die Rechtfertigung seiner willkürlichen Eingriffe. Mit der Komplexität im philosophischen Gepäck wäre die Menschheit eine übliche Art, hilflos wie der Gorilla.

Jetzt gab es in der Evolutionstheorie einen Knacks, als Biologen der Universität Toronto zu dem Ergebnis kommen mussten, die Evolution gehe unter Umständen rasend schnell, zufällige Mutationen könnten das nicht gewährleisten. „Unsere Studien liefert einen eindeutigen Beweis . . . „ (zit. n. dem Artikel „Express-Evolution“ in SZ vom 5.10.2012).

Aber wie es dann so ist: Dem Selektionsprozess sei die Anpassung eben zuzuschreiben. Also doch nichts Besseres im Ökosystem als Versuch und Irrtum . Es bleibt dabei, die Willkür-Ökonomie zu verschonen: Auch der Mensch kann machen, was er will, die Selektion wird es richten. Der Knacks wurde nicht zum Riss.

Auf dem 16. Philosophicum (s. in PM(117)) hieß es heuer, der Anthropozentrismus lasse sich nicht überwinden. (Dass er sich beschränken lasse, dieser Zusatz des Redners Herwig Grimm (Wien) reicht nicht für das Umdenken.) Und die Munich Re teilte der PA schon vor längerem mit, der Verzicht des Menschen auf seine Sonderrechte könne selbst in Generationen nicht erreicht werden (PM(65)). Übersetzt ins Biologische: Die Zerstörung der Biosphäre lässt sich in Generationen nicht ändern. Neuerdings war es die Rede des Energie-Kommissars der EU Günther Öttinger, in der dieser (mit der ihm üblichen ernsten Miene) das Streicheln von Eisbären hinter die „Re“-Industrialisierung zurückstellte.

Aber hat die Munich Re wirklich recht? Immer handfester präzisieren anthropozentrische Einstellungen globale Merkmale menschlicher Intention, die an eine Schädlingsplage erinnern (das Argument ist behandelt in PM (97)). Wie lange, das ist die Frage, hält die Willkürwirtschaftdie Beschämung aus?

Firmenportrait:
Die 1995 erneuerte Platon-Akademie (PA) versteht sich als Fortsetzung und Abschluss der antiken. Es geht ihr aber nicht um die Fortsetzung der spekulativen Philosophie Platons, auch Textkritik ist die Ausnahme. Sie versucht, im naturwissenschaftlich widerspruchsfreien Konsens die richtige Antwort auf die von Platon gestellten Fragen nach der letzten Ursache der Naturgesetze und nach der Gesellschaftsordnung zu finden. Sie wurde 529 von der Kirche geschlossen.
Leitung: Anton Franz Rüdiger Brück, geb. 1938, Staatsangehörigkeit Deutsch. Humanistisches Gymnasium. Hochschulstudien: Physik, Mathematik, Pädagogik, Philosophie. Ausgeübter Beruf: Bis 2000 Lehrer im Staatsdienst.
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