Presseagentur liefert Nachrichten
für Medien

Eine Presseagentur liefert Nachrichten und Hintergrundberichte für Medien. Eine Presseagentur wirkt also nur indirekt auf die öffentliche Meinungsbildung ein. Presseagenturen sind nicht mit Nachrichtendiensten zu verwechseln, denn eine Presseagentur liefert für öffentliche zugängliche Medien die Nachrichten über aktuelle Ereignisse, die es diesen gestatten, entsprechend ihrem Themenspektrum die Leser und Mediennutzer zu informieren.

Eine Presseagentur wie dpa (Deutschland) oder UPI (USA) spielt im nationalen und internationalen Mediengeschäft eine wichtige Rolle, weil über die Presseagentur an zentralen Stellen eine gemeinsame Zugriffsmöglichkeit für Journalisten und ihre Medien geboten wird. Allerdings ist durch die Entwicklung des Internets die Bedeutung der Presseagentur reduziert worden. Denn Journalisten und die Öffentlichkeit haben mit dem Internet als Ganzes eine direktere Zugriffsmöglichkeit auf Quellen gewonnen. Die Gatekeeper Funktion des Journalismus ist damit reduziert; die Presseagentur ist für neue Informationen nur ein Anbieter unter vielen.

Trotzdem lässt sich feststellen, dass viele Printmedien noch im starken Umfang auf eine Presseagentur zurückgreifen, um ihre täglichen Routinemeldungen zu generieren. Man erkennt dies, wenn man den Quellenhinweis in vielen Nachrichten auf die jeweilige Presseagentur finden kann. Nachprüfung ergibt dann schnell, dass viele Meldungen höchstens gekürzt übernommen aber nicht weiter redigiert wurden.

Weit über 100 Presseagenturen oder ähnliche Angebote stehen im weltweiten Wettbewerb; die großen Anbieter aus dem Geschäftsfeld Presseagentur bieten mehrere Sprachvarianten und fachspezifische Unterdienste.

Die Journalisten einer Presseagentur schreiben so, dass alle Medien auf ihre Dienste zurückgreifen können. Dies können nicht nur Tages- und Wochenzeitungen, sondern auch Magazine mit fachlichem Hintergrund und Internet-Plattformen sein. Bei öffentlichen oder privaten Rundfunk- und Fernsehbetreibern gehört es ebenfalls zum Standard, mindestens auf eine Presseagentur zurückzugreifen. Darüberhinaus werden Presseagenturen von politischen und gesellschaftlichen Akteuren und Interessenverbänden genutzt, die eine eigene Presseabteilung haben und die die Meldungen der Presseagentur als ergänzende Quelle für Recherchen als nützlich empfinden.

Die Presseagentur ist also auf Grund ihrer breiten Präsenz immer noch ein Gatekeeper im Nachrichtengeschäft. Denn Medienersteller und Mediennutzer haben nicht die Zeit, ein umfassendes Nachrichtenangebot selbst zu recherchieren. Die Journalisten der Presseagentur entscheiden also über die Wichtigkeit und Bedeutung von hereinkommenden Nachrichten und verwenden als Beurteilungsraster meist ein Modell der Nachrichtenfaktoren. Dieses berechnet den Nachrichtenwert als einem Mix unterschiedlicher Komponenten bei dem Neuigkeit und Bedeutsamkeit eine zentrale Rolle spielen. Bedeutsamkeit macht sich meist an der Stellung der Entscheidungsträger und den Auswirkungen auf wichtige Zielgruppen oder Adressaten fest. Neuigkeit ergibt sich aus der Einschätzung, ob bei den unterstellen Zielgruppen die Nachricht eine hohe Aufmerksamkeit hervorrufen wird.

Die Meldungen der Presseagentur sollten also entsprechend dieser Kriterien einer objektiven Prüfung standhalten. Noch wichtiger ist aber, ob die berichteten Tatsachen stimmen und keine relevanten Tatsachen weggelassen wurden, die für die Beurteilung des jeweiligen Sachverhalts wichtig sind. Eine gute Presseagentur verfügt auch über ein Korrespondentennetz, das aufgefordert ist, ergänzende Informationen zu recherchieren. Hierfür werden auch oft Interviews mit Entscheidungsträgern geführt, deren Mitteilungen direkt oder indirekt (und möglichst überprüft) in die Meldungen der Presseagentur einfließen.

Kommt die Meldung der Presseagentur beim Medium an, dann wird sie meist zunächst in die jeweiligen Ressorts (Innenpolitik, Außenpolitik, Wirtschaft, Kultur etc.) weitergeleitet. Dort prüft dann ein Ressort-Leiter, ob die Meldung ins eigene publizistische Spektrum passt und gibt sie als Bearbeitungsauftrag an einen angestellten oder freien Mitarbeiter weiter. Meist wird an dieser Stelle schon entschieden, ob die Meldung nur modifiziert bearbeitet oder mit ergänzenden Recherchen in das Medium aufgenommen werden soll. In den wenigsten Fällen wird die Recherche nochmals umfassend neu angegangen. Oft wird allerdings quer nach weiteren Meldungen zum Themenkomplex geschaut, insbesondere wenn eine zweite Presseagentur abonniert wurde. An dieser Stelle wird aber auch gerne auf das Internet als Recherchequelle zurückgegriffen, weil man so schneller und effektiver feststellen kann, ob die Meldung schon bei einem Leitmedium(z.B. Spiegel-Online oder Bild-Online) untergekommen ist und welche Stoßrichtung dort jeweils umgesetzt wurde.

Der Vorteil einer Presseagentur sind die laufende Aktualität und Universalität von Meldungen, die rund um die Uhr und während aller Tage des Jahres beim Medium eintreffen. Das gibt das sichere Gefühl, dass man auf jeden Fall immer genügend Stoff hat, um die Leser und Nutzer mit aktuellen und interessanten Informationen zu versorgen.