Redaktion Presse
Lateinisch "redigere"

Redaktion kommt vom Lateinischen "redigere", was man mit "etwas in einen Zustand bringen" übersetzen könnte. Eine Redaktion sorgt also dafür, dass die Arbeit der Journalisten für das vertriebene Medium so aufbereitet wird, das insgesamt ein stimmiges und überzeugendes Produkt entsteht.

Leser und Nutzer von Medien erwarten oft ein einheitliches Produkt, das eine publizistische Linie verfolgt und keine Kakophonie von Einzelstimmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn man das Ergebnis redaktioneller Arbeit in der Hand hält und vorher im Laden für echtes Geld gekauft hat. Immer mehr gehen aber die Nutzer dazu über, Online-Medien als Recherche Grundlage zu verwenden und selbst redaktionelle Aufgaben zu übernehmen. Hier wird die einheitliche Stoßrichtung durch eine Redaktion nicht mehr erwartet. Lediglich bei Produkten, wie sie für Smartphones sehr erfolgreich produziert werden (z.B. Tagesschau-App), wird eine Redaktion unterstellt, die die Inhalte ausgesucht und aufbereitet hat.

Es ist die Aufgabe von Redakteuren und frei angestellten Journalisten dieses Produktziel im Hinterkopf zu behalten, wenn sie Berichte oder Bewegtbilder für die Reaktion zusammenstellen. Denn Redaktionen gibt es nicht nur im Print-Bereich, sondern auch beim Rundfunk, beim Fernsehen und bei Online-Medien, die weit über die Möglichkeiten von Text oder Bild hinausgreifen können. Die Redaktion eines Online-Mediums bietet auch Verweise auf weitere Quellen und Einbettung von Fremdinhalten, um den Nutzern des Mediums vielfältige Recherche-Möglichkeiten bieten zu können.

Die Redaktion ist ein Team, das sich einer gemeinsamen Aufgabe unterwirft. Man möchte als Redaktion ein sowohl informatives wie unterhaltsames Medienangebot produzieren, dass bei Lesern und Nutzern immer wieder neu auf Interesse stößt und diese auch in ihren Handlungen beeinflussen kann. Reaktionen findet man bei der Tages- und Wochenzeitung, wo immer noch einzelne festangestellte Redakteure den Kern der Reaktion ausmachen. Dies gilt auch für Nachrichten-Agenturen, während Online-Medien und Ad-hoc-Publikationen oft mir freien Mitarbeitern arbeiten, die sich nur für bestimmte Projekte zu einer Sitzung in der Redaktion einfinden.

Allerdings lassen sich im Internet auch vielfältige publizistische Angebote finden, die ohne Redaktion auskommen. So sind z.B. Blogs nur mit einem "Redakteur" ausgestattet, der sich selbst nur zu einer inneren Redaktionskonferenz zusammensetzen kann. Auch die Wikipedia hat keine Redaktion, sondern setzt auf das interaktive Zusammenspiel vielfältig aktiver Nutzer, die ihr Wissen und ihre Handlungen zu einer Schwarmintelligenz verbinden. Und Suchmaschinen wie Google werten mit mathematischen Algorithmen die redaktionell gestalteten Internet-Portale aus und bringen nach komplexen Kriterien die Resultate auf die Suchmaschinen-Ergebnisseiten. Hier wird allerdings vorausgesetzt, dass die zugrundeliegenden Online-Medien selbst in redaktioneller Verantwortlichkeit ihre Webseiten entwickelt haben.

Eine Redaktion sollte also durch ein menschliches Team bestimmt sein, dass seine publizistische Grundidee in vielfältiger Weise immer wieder neu definiert. Bei der klassischen Print-Redaktion ist es oft noch der Verleger oder Herausgeber, der die publizistische Grundidee für die Redaktion vorgibt. Moderne Medien sind zwar nicht unbedingt demokratischer strukturiert, haben aber eine Vielzahl von Entscheidungsträgern, die zur Meinungsbildung in der Reaktion beitragen können.