Rumänisches Undergroundfestival auf dem Weg nach Europa

PPS-Promotion-Presse-Service, 28. Mai 2009

(PresseEcho.de) Einziges OFF-Theaterfestival in Rumänien hat große Chancen

11 Tage lang war im Mai 2009 die rumänische Stadt Arad im Westen Rumäniens, ein Ort mit österreichisch-ungarischer Vergangenheit und einem kleinen Anteil serbischer, ungarischer und deutscher Einwohner nahe der ungarischen Grenze, Treffpunkt für innovatives, zeitgenössisches Theatergeschehen. In der 7. Ausgabe des ARAD UNDERGROUND (FUN) FESTIVALS stand erstmalig die Öffnung nach West-Europa im Vordergrund. An unterschiedlichsten und unkonventionellen Spielorten, Kellerclubs, dem ruinösen Ambiente des ältesten Theaters der Stadt, einem Belle-Epoque-Wasserturm, sowie im modernen, technisch perfekt ausgestatteten Studio des Staatstheaters Arad haben Festival-Chef Ovidiu Balint, der künstlerische Leiter Nicu Mihoc und ihre Crew bewiesen, was der Westen in kulturellem Sinne vom unabhängigen, weitgehend unbekannten Theaterschaffen der Gegenwart in Rumänien zu erwarten hat. ( www.undergroundfestival.ro)

"Rumänien ist mehr, ...
lautet der Slogan des KulturForum Europa (KFE) (www.kfe.de) aus Deutschland, bei dem seit einigen Jahren fleißig am Transport eines positiv-rumänischen Bildes gearbeitet wird. So machte sich Dieter Topp als Vertreter der Vereinigung - mit dem Ziel für das wertvolle und einzigartige multikulturelle europäische Bild 1992 vom damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher initiiert - auf, dieser Idee Nachdruck zu verleihen. Beweise lieferte das Arad Underground (Fun)Festival ausreichend in dieser Hinsicht. Hierzu mögen einige Beispiele beim Leser Neugierde wecken und freien Theater-Gruppen und -Vereinigungen in der EU Anregung liefern, sich weiter für Rumänien und sein kulturelles Gegenwartsgeschehen zu interessieren, den Kontakt zu suchen und das Land unter "kultur-touristischen Aspekten erobern". Es lohnt allemal.

Aus den bescheidenen Anfängen
deuten sich heute bereits Tendenzen ab, die dem Festival und seinen 45 Veranstaltungen 2009 schon bald einen Platz neben dem Bukarest Theaterfestival unter künstlerischer Leitung von Cristina Modreanu und dem nationalen rumänischen Dramaturgiefestival von Ada Hausvater und Michaela Michailov in Timisoara in Zukunft einen Platz einräumen könnten. Das Arad-Underground Festival, dem man im Westen eher den Titel eines OFF-Festivals einräumen würde, möchte beweisen, was unabhängig künstlerisches Schaffen in Rumänien ausmacht. Es ist das einzige Festival seiner Art im Land und hat auch noch finanzielle Anlaufprobleme, aber dies kann eine Chance bedeuten. Stadt und Staat fördern das Konzept, das aus der Casa de Cultura der Stadt Arad erwächst, um nicht nur der einheimischen jungen, kulturhungrigen Generation Treffpunkt und Diskussionsforum zu bieten, sondern darüber hinaus den Kontakt und Austausch mit den benachbarten ost-europäischen Ländern wie Ukraine, Ungarn oder Polen zu fördern.
Diesmal sei auch ein Lob dem rumänischen Kulturministerium zugesprochen, dessen Minister Theodor Paleologu zwar Offenheit proklamiert, aber als Zuständiger u.a. für Religion und Kirche sich und seine Arbeit ausbremst, der Offenheit proklamiert, aber wenn es ernst wird, die Flucht ergreift, im besonderen, wenn es um sexuelle Minderheiten geht.

Gesucht und gefunden
So könnte man in diesem Jahr über das Festivalgeschehen schreiben, denn es existieren noch viel zu wenig Kontakte. Verbindungen aus dem europäischen Ausland entstanden eher aus dem Prinzip des zufälligen Zueinanderfindens als aus der Dichte eines europäischen Netzwerks, das es zu knüpfen und zu nutzen gilt. Hier versprach Topp, das KulturForum Europa und seine Pressestelle einzubauen, die bereits die o.a. Festivals von Deutsch sprachiger Seite publiziert und darüber hinaus im Englisch sprachigen Raum an die entsprechenden Verteiler weiterreicht.

Das Publikum dankte den Veranstaltern mit zahlreicher Beteiligung, manche Vorstellung musste wiederholt werde, um dem Andrang zu genügen, den der PSYCHOLOGICAL ART CIRCUS (GB), die FABRIQUE DE THÉATRE COMPANY, sowie die COMPGNIE DU RIRE EN CARTON FAT (F) und das TRAP DOOR THEATRE, Chicago (USA) auslösten.

Ein Austausch mit den Kollegen der freien Szene in Europa tut Not und tut gut. Man kann viel voneinander lernen, da die schauspielerische Ausbildung in ost und west recht unterschiedlich ist. Als hervorragendes Beispiel sei die Vorstellung der COMPAGNIE DES ALÉAS aus Frankreich erwähnt, die in einer ausgezeichneten Regie und einem furiosen Tempo das Stück LINE - THE FIRST von Israel Horovitz auf die Bühne brachte. Der selten guten Vorstellung hätte man mehr rumänische Besucher gewünscht. Da muss dem einheimischen Publikum noch Mut zum Besuch gemacht werden. Der sich anschließenden rumänischen Produktion NOTHING ABNORMAL der ATHON CULTURAL FOUNDATION war ein übervolles Haus vergönnt, jedoch Regie und schauspielerisches Vermögen waren da eher bescheiden.

Der rumänische Underground
lies bei kaum einer Vorstellung einen Platz im Zuschauerraum frei, zumal, wenn es sich um kulturpolitische Gegenwartsliteratur handelte. Wenn hingegen aktuelle Problematiken am Rand der Gesellschaft auftauchten und ein entsprechend verbaler Duktus den Zuhörer forderte, zeigte sich noch eher überzogenes Klassendenken. Die rumänische "Jeunesse d'Or" sieht da generell wenig Notwenigkeit der Hinwendung und verlässt lieber Vorstellungen mit der Anhäufung von anglizistischen 4-Buchstaben-Wörten, wie fuck, suck, ...usw

Alles in allem erwiesen sich die rumänischen Präsentationen, besonders wenn sie aus der Hauptstadt angereist waren, als voller Publikumserfolg. Hier sei vor allem der talentierte Schreiber Stefan Peca mit dem LUNI THEATER GRENN HOURS und "Nils' fucked Up day" genannt. Die GREEN HOURS Produktion, das AUALEU Garagen- und Hofthetaer, ebenso wie THE CONCRETES mit Alexandru Mihescus bewiesen Anspruch und Wert. Das THEATRUL PIT mit der neu interpretierten Volksgeschichte vom sprechenden Schaf MINIRITA CA mit IOAN PETER in vielen zum Brüllen komischen Rollen zeigte Off-Qualität vom Feinsten.

Dies hingegen war mit dem 74 Theater und der Dan Puric Company leider noch nicht der Fall. Hier wurde mit ALSO KNOWN AS, THE TWO OF US und ALL FIVE eher effekthascherische Seichtheit geboten, die Darsteller (besonders die männlichen) bewiesen hier mehr Können als Ihre Regisseure.

Besondere Erwähnung hin gegen gilt dem Deutschen Staatstheater Timisoara, dem einzigen seines Zeichens in Rumänien mit einer Inszenierung von Marks Ravenhills POOL, NO WATER. Da erinnerte Regisseur Alexandru Mihaescu an den US-Underground der 70er Jahre, und seine Mannschaft spielte rasant, erschreckend aufregend ein Stück von menschlicher Zerstörung.

Zeitgenössisches aus Ungarn und Polen
gab der Festivalausgabe 2009 die gesellschaftspolitische und ehrlichen Würze mit ihren Produktionen. Allen voran steht URBI ET ORBI, eine ungarisch-serbische Koproduktion, eine gekonnt gemeisterte Vorstellung zwischen Improvisation und Textvorlage, entlarvend echt: eine scheinbare Befragung des jeweiligen Bühnendarstellers durch das Publikum, vertreten durch jeweils drei Akteure, entlarven die biedere Hausfrau in ihrer Sexbeessenheit als Hure und den braven Lehrer und Nachbarn als Kinderschänder. Hier stimmten Anspruch und Umsetzung unter der Regie von Attila Urban ebenso wie beim ATELIER FOCUSS SZEGED und dem "Ungarischem Mix Light" von Csikos Ildiko, zusammen mit PIPO (Seres Istvan), eine Augenweide an Darstellern.
Aus Polen bestachen das LUBLIN TANZTHEATER mit COSMOS, das Warschauer WHIRLS DANCE THEATER in einer Koproduktion mit demLARUMBA TANT THEATER, Madrid. Zwischen Chopin und Flamenco bewiesen sich herborragende multikulti Talente. Bravo!

2010 mag der Interessierte mit Spannung erwarten.
Es wird trotz Rezession oder gerade deswegen mit Politischem nicht geizen. Der Zusatz "Fun" wird sicher weiter die Rolle eines Magneten spielen. Eine höheren Beteiligung aus dem westlichen Ausland und die Intensivierung in der Zusammenarbeit mit den östlichen Nachbarn macht bereits jetzt Lust auf ein Wiedersehen.

PPS - Promotion-Presse-Service ist eine eigenständige Agentur, die von Christian Bauer und Dieter Topp, Künstler und Publizist, verwaltet wird.
PPS bietet Aussendungen an im Bereich Kultur und Kultur-Politik, unter besonderem Aspekt von Sprechtheater, Ballett, Musik und Musiktheater, Kunst und Kunstausstellungen.
PPS - Aussendungen gehen an Redaktionen in der Bundesrepublik, nach Österreich und in den deutschsprachigen Bereich von Belgien und Niederlande an Print-, TV-, Radio-, Online - Redaktionen, Medienschaffende und PR-Verantwortliche, sowie offene Kulturkanäle.

PPS-Promotion-Presse-Service gehört zur Pressestelle des KulturForum Europa: Eine europäische Begegnung. Das KulturForum Europa e.V. wurde auf Initiative von Hans-Dietrich Genscher 1992 zur Förderung des gemeinschaftlichen europäischen Gedankens auf allen Gebieten der Kultur gegründet.. Gegenseitige Beachtung und Toleranz sollen als Beitrag zur Völkerverständigung vorangetrieben werden.(www.kfe.de)

PPS-Promotion-Presse-Service berichtet seit 2005 über das Ballett der Staats- und Volksoper Wien (Das Ballett.at) und covert das Int.Istanbul Music Festival und die Istanbul Biennale sowie die Music Biennale Zagreb (seit 2007). Für 2008 sind das Int. Springfestival, das Herbstfestival und Fringe Festival Budapest, das Zemplén Festival im Länderdreieck Ungarn-Ukraine-Slowakei ,sowie Wratislavia Cantans (PL) hinzugekommen. In 2008 wurde PPS eingeladen, für das Int. Theaterfestival Bukarest und Theaterfestival Timisoara (RO) zu berichten.Pressekontakt:
PPS Promotion-Presse-Service
Christian Bauer/Chris Rabe
EU-Kulturzentrum
D-52391 Vettweiss/Köln
fon 0049-2424-94040
fax 0049-2424-940428
mailto: pps@kfe.de