Seit dem Massaker von Drango sind vier tibetische Mönche immer noch verschwunden

IGFM München, 16. Mai 2012

Vier tibetische Mönche, darunter auch ein reinkarnierter Lama, werden Monate nach ihrer Festnahme immer noch vermißt. Am 23. Januar 2012 schossen die Sicherheitskräfte m Bezirk Drango (chin. Luhuo), TAP Kardze, Provinz Sichuan, wahllos auf tibetische Demonstranten (1).

Tulku Lobsang Tenzin Rinpoche, 40, ein reinkarnierter Lama, Geshe Tsewang Namgyal, Trinlay, der Manager des Klosterladens, und der Buchhalter Dralha wurden Tage nach den Protestaktionen im Bezirk Drango in einem Internet Cafe in der Stadt Tridu (Chengduo) verhaftet und gelten seitdem als verschwunden.

Den Quellen des TCHRD zufolge kursiert in Drango ein Gerücht, daß einer der vier vermißten Mönche durch die Hand der chinesischen Sicherheitskräfte gestorben sei. Die Behörden gaben überhaupt keine Information über Verbleib und Zustand der Mönche heraus. Darüber hinaus wurden sie nicht vor Gericht gestellt, weshalb man sich große Sorgen um sie machen muß.

Kurze Portraits der vier verschwundenen Tibeter:

1. Tulku Lobsang Tenzin Rinpoche (in den Vierzigern), gebürtig aus dem Dorf Pemagang, wurde im Kloster Gochen als eine Wiedergeburt entdeckt. Er konzipierte und organisierte zahlreiche Projekte für die Renovierung und Erweiterung des Klosters. Wenige Tage nach den Protestaktionen vom 23. Januar nahm man ihn in Tridu (Chengduo) fest.

2. Geshe Tsewang Wangyal wurde 1970 im Dorf Chuwar, Bezirk Drango, geboren. Er besuchte die Grundschule vor Ort, wo er sowohl mit seiner Muttersprache (Tibetisch) als auch Chinesisch brillierte. 1987 begab er sich ins Kloster Drepung Loseling nach Südindien, um dort Buddhismus, Englisch, Hindi und Tibetisch zu studieren. 1994 setzte er seine Studien an dem Institut für Buddhistische Dialektik in Nordindien fort, das er mit einem Master-Titel in der Rimey-Tradition abschloß. 2011 kehrte er nach Tibet zurück, um am Drango Gochen Kloster zu lehren. Er wurde in Tridu festgenommen.

3. Thinley, 42, stammt aus dem Dorf Bathag in Drango, durchlief die Grundschule, ehe er Mönch im Kloster Drango Gochen wurde. Vor einigen Jahren wurde er zum Verwalter des Klosters ernannt. Er ist auch für den Klosterladen zuständig. Er wurde ebenso in Tridu festgenommen.

4. Tashi Topgyal, alias Dralha, 31, gebürtig aus dem Dorf Gonsar in Drango, besuchte die Grund- und die Mittelschule seines Bezirks. 2000 trat er in das Kloster von Drango ein, wo er fünf Jahre lang buddhistische Studien betrieb, ehe er zum Buchhalter ernannt wurde. Auch er wurde in Tridu festgenommen.

(1) 23. Januar 2012, „Polizei in Kham schießt auf Demonstranten“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2012/Drango-6Tote_23.1.html

2. Februar 2012, „Blutige Bilder der in Drango getöteten und verletzten Tibeter aufgetaucht“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2012/DrangoBilder_2.2.html

Quelle: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy, www.tchrd.org