Tibeter wegen Protestaktion 2010 verurteilt, seine Familie wurde erst fünf Monate später benachrichtigt

IGFM München, 14. April 2012

Chinesische Behörden haben einen Tibeter zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in einer Soloprotestaktion die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet gefordert hatte.

Wie sein in Indien lebender Bruder Tenpa Dhargyal mitteilte, erfuhr die Familie von Samdrub Gyatso, der vor fast zwei Jahren nach einer Protestaktion in Lhasa festgenommen worden war, von dem im Oktober 2011 verhängten Urteil erst vor ein paar Tagen.

Samdrub Gyatso war am 1. Mai 2010 zum Jokhang-Tempel in Lhasa gegangen, wo er laut die Rückkehr des Dalai Lama und die Freilassung des Panchen Lama forderte sowie, daß den Tibetern, die nach dem verheerenden Erdbeben von ihrem Grund und Boden vertrieben worden waren, ihr Eigentum zurückgegeben werde.

„Etwa fünf Minuten lang rief er Parolen, bis sich sieben Polizisten auf ihn stürzten und ihn abführten. Seit seiner Verhaftung haben wir nichts mehr von ihm gehört“, fuhr Dhargyal fort.

„Vor einigen Tagen erhielt seine Familie in Lhasa ein Schreiben, daß er am 14. Oktober 2011 vom Volksgericht von Lhasa zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, doch für die lange Verzögerung in der Übermittlung der Nachricht erfolgte keine Erklärung“.

Gyatso ist nun im Gefängnis Chushul in der Nähe von Lhasa inhaftiert. Letztes Jahr versuchten seine Angehörigen zweimal ihn in einem anderen Haftzentrum zu besuchen, wurden aber abgewiesen.

Es ist nicht das erste Mal, daß der aus dem Bezirk Dashi in Tsojang (chin. Haibei), Provinz Qinghai, gebürtige Gyatso ins Gefängnis kam, weil er sich zugunsten des Dalai Lama geäußert hatte. Im Juli 2009 war er im Drapchi Gefängnis in Lhasa eingesperrt, weil er „Bücher mit Lehrreden des Dalai Lama aus Indien mitgebracht hatte“, wohin er im November 2007 gereist war, nachdem er vier Jahre lang in einem Kloster seiner Gegend die Lehren des Buddhismus studiert hatte.

Nach seiner Freilassung kehrte er in den Bezirk Dashi zurück, wo er wieder kurzfristig inhaftiert wurde. „Ihm nahestehende Tibeter zahlten 10.000 Yuan (US$1.579), um seine Freilassung zu erwirken, die allerdings unter der Bedingung erfolgte, daß er zwei Jahre lang seine Gegend nicht verlasse“. „Kaum war er wieder auf freien Fuß, kontaktierte er seinen jüngeren Bruder in Indien und bat ihn, ihm auf geheimem Wege weitere Bücher mit Anweisungen des Dalai Lama zu schicken, in denen dieser sich gegen das Schlachten von Tieren wendet und den Tibetern auch andere Ratschläge erteilt“.

„Es gelang ihm, diese Bücher zu verteilen und auch für die Freilassung des Panchen Lama Unterschriften zu sammeln“. Als er hörte, daß die Polizei wieder nach ihm fahndete, setzte er sich nach Lhasa ab, wo er am 1. Mai 2010 ganz alleine demonstrierte.

Anders als in den tibetischen Siedlungsgebieten in den Provinzen Qinghai, Sichuan und Gansu sind Protestaktionen in der Autonomen Region Tibet selten geworden, seit die Behörden dort auf die Unruhen vom März 2008 hin die Sicherheitsschraube drastisch anzogen haben.

(1) 4. Mai 2012 „Demonstrant in Lhasa festgenommen, weil er eine gerechte Verteilung der Erdbebenhilfe forderte“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2010/SamdupGyatso_3.5.html

Quelle: Radio Free Asia, www.rfa.org