Tibetische Privatschule in Kardze geschlossen, zwei Lehrer festgenommen

IGFM München, 28. April 2012

Die Behörden im Bezirk Kardze (chin. Ganzi) zwangen eine am Ort gegründete tibetische Schule zur Schließung. In der Khadrok Jamtse Rokten Schule wurden die Kinder seit 20 Jahren in tibetischer Sprache und Kultur unterrichtet.

Den Quellen des TCHRD zufolge wurde die Khadrok Jamtse Rokten Schule im Dorf Khadrok, Gemeinde Rongpo Tsa, Bezirk Kardze, TAP Kardze, Provinz Sichuan, am 2. April geschlossen, und die Polizeioffiziere des Public Security Bureau von Kardze nahmen den Rektor Nyendak und den Lehrer Yama Tsering in der Schule fest.

Yama Tsering war früher in Indien gewesen, fünf Jahre lang studierte er Philosophie im Kloster Seraje in Südindien. Außerdem hatte er an der Suja Schule des Tibetischen Kinderdorfs bei Dharamsala Englisch gelernt. 2005 kehrte er nach Tibet zurück und unterrichtete seitdem ehrenamtlich Englisch an der Khadrok Jamtse Rokten Schule.

Die Schule wurde 1989 auf Betreiben der örtlichen Bevölkerung gegründet, die ihren Kindern die Möglichkeit zum Erlernen der tibetischen Sprache und Kultur, sowie Chinesisch und Englisch bieten wollte. Sie startete mit einem einzigen Klassenzimmer und nur ein paar Schülern, aber wurde 2005 erweitert.

Nyendrak, 51, wirkte seit über 20 Jahren als Rektor der Schule, er selbst unterrichtete die Kinder in tibetischer Sprache, Geschichte, Religion und Kultur. Es heißt, Yama Tserings Geschick, ausländische Sponsoren zu gewinnen, sei es zu verdanken, daß die Schule die Klassenzimmer, das Hostel und die Lehrerunterkünfte erneuern konnte.

Die Eltern der Schüler wurden nun angewiesen, ihre über 7 Jahre alten Kinder auf die staatliche Gemeindeschule zu schicken. Die Polizei warnte sie vor Versuchen, die Schule wieder aufzumachen.

Die Khadrok Jamtse Rokten Schule wurde 1989 mit Zustimmung der Bezirksregierung von Kardze gegründet. Sie legte besondere Betonung darauf, daß die Schüler im Unterricht reines Tibetisch sprechen.

Den Familien der beiden Lehrer wurde verweigert, die zwei Festgenommenen zu sehen, die Behörden erklärten ihnen, ihre Angehörigen hätten Verbrechen begangen, seien politischen Aktivitäten nachgegangen. Im Augenblick gibt es keinerlei Information über ihren Verbleib und Zustand. Eben so wenig sind die unmittelbaren Gründe für die Festnahmen bekannt.

Quelle: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy, www.tchrd.org
Kontakt: Jampel Monlam (Tibetisch/Chinesisch), Dukthen Kyi (Englisch)
Tel. +91 1892 223363, 229225, 225874