Tibetischer Mönch des Klosters Bora in Gansu aus unbekannten Gründen festgenommen

IGFM München, 22. September 2012

Die Polizei in der Provinz Gansu nahm einen tibetischen Mönch in Gewahrsam, der an einer Protestaktion vom 20. März beteiligt gewesen sein könnte.

„Am 28. August wurde Kalsang Gyatso, 28, ein Mönch des Klosters Bora in der nahe gelegenen Stadt Tsoe festgenommen“, verlautet aus einer dortigen Quelle.

Kalsang Gyatso war mit Erlaubnis seiner vorgesetzten Mönche zum Besuch einer öffentlichen Badeanstalt in die Stadt gefahren. Er und ein paar seiner Freunde hatten einen Tag Urlaub von einem Sommer-Retreat genommen, um dort einiges zu erledigen.

„Die Polizei, die in Zivil kam, fragte, welcher der Mönche Kalsang Gyatso sei, aber seine Freunde wollten seine Identität nicht preisgeben. Dann zeigte die Polizei direkt auf ihn, überwältigte die Freunde, die versuchten ihn wegzuziehen, und führte ihn in einem Polizeifahrzeug ab“.

Als seine Angehörigen später bei den Bezirks- und Präfektur-Ämtern um Auskunft über Kalsang Gyatsos Zustand und Haftort nachsuchten, „gab man ihnen keine Information“.

Es wurde keine Erklärung für die Festnahme gegeben, man vermutet jedoch, daß Kalsang Gyatso im Zusammenhang mit den gegen die Regierung gerichteten Protestaktionen im Frühjahr festgenommen wurde.

Am 20. März marschierten über 100 Mönche des Klosters Bora in Richtung der Regierungsgebäude der Gemeinde, sie trugen Bilder der tibetischen Flagge und des Dalai Lama mit sich und forderten Freiheit in Tibet (1).

Am folgenden Tag drangen chinesische Sicherheitskräfte in das Kloster ein und nahmen 40 Mönche fest, woraufhin eine große Zahl anderer Mönche zusammenströmte und die Freilassung ihrer Mitbrüder forderte.

Die Lokalbehörden ließen ein paar Stunden später alle 40 Mönche wieder gehen, verlangten jedoch von ihnen, daß sie in „persönlichen Erklärungen“ zugaben, einen Fehler begangen zu haben, den sie Zukunft nicht wiederholen würden.

Das Kloster Bora sieht sich seit dem Volksaufstand von 2008 starken Einschränkungen ausgesetzt. Und diese wurden dieses Jahr nach Losar, dem tibetischen Neujahr, als die Mönche ein Portrait des Dalai Lama zur Schau stellten, noch verschärft.

Kalsang Gyatso kommt ursprünglich aus dem Dorf Yagpa Yarne im Bezirk Labrang (chin. Xiahe), der TAP Kanlho (chin. Gannan) der Provinz Gansu.

Am Tag nach Kalsang Gyatsos Festnahme traf ein Trupp von 30 Offiziellen auf Bezirks-, Präfektur- und Provinzebene im Kloster Bora ein, um die Mönche dem Unterricht in „Gesetzeskunde“ zu unterziehen.

(1) 26. März 2012, „Vier Mönche des Klosters Bora, Provinz Gansu, festgenommen“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2012/Bora-Worpu-Festnahmen_26.3.html

Quelle: Phayul, www.phayul.com, RFA, www.rfa.org