Tibetischer Mönch Jigme Gyatso, der 2008 bei dem Film „Leaving Fear Behind“ assistierte, ist verschwunden

IGFM München, 18. Oktober 2012

Jigme Gyatso, der Mönch, der Dhondup Wangchen 2008 bei der Herstellung des Dokumentarfilms „Leaving Fear Behind“ (tibetischer Titel „Jigdrel“) assistierte, ist nach Auskunft seiner engen Freunde seit zwei Wochen verschwunden. Seit dem 20. September hörte man nichts mehr von Jigme Gyatso, der auch als Golog Jigme bekannt ist, und es wird befürchtet, daß er erneut verhaftet wurde.

Der tibetische Mönch Golog Jigme Gyatso wurde zuerst im März 2008 festgenommen, weil er Dhondup Wangchen dabei geholfen hatte, insgeheim den Dokumentarfilm „Jenseits von Furcht“ zu drehen. Dieser Film sollte im Vorfeld zu den Olympischen Spielen in Peking das Leben der Tibeter unter chinesischer Herrschaft beleuchten.

Im Oktober 2008 wurde Jigme Gyatso entlassen, aber im März 2009 erneut festgenommen und 40 Tage in Gewahrsam gehalten. Er stammt aus Golog Serta, in der Region Kardze in Kham, und wurde 1969 geboren.

„Wir machen uns Sorge um den Verbleib von Jigme Gyatso, der bereits in der Vergangenheit schikaniert und inhaftiert wurde, weil er diesen Film drehte“, sagte Bob Dietz, der Asien-Referent des Committee to Protect Journalists (CPJ) aus New York. „Nur zu oft werden tibetische Journalisten ohne ordentlichen Prozeß ins Gefängnis gesteckt, und Jigme Gyatso plötzliches Verschwinden zeigt, daß auch nach der Entlassung die Furcht vor Wiederverhaftung immerzu da ist“.

Der Film besteht aus einer Folge von Interviews mit Tibetern, die über ihre immerwährende Verehrung für Seine Heiligkeit den Dalai Lama sprechen und darüber, wie China die tibetische Kultur zerstört und die religiöse Freiheit verletzt. Er wurde aus Tibet geschmuggelt und später weltweit vorgeführt.

Auch sein in Zürich lebender enger Freund Gyaljong Tsetrin befürchtet, daß Jigme Gyatso, von dem man zuletzt am 20. September hörte, wieder verhaftet worden sein könnte. Tsetrin, der Leiter der tibetischen Filmgesellschaft „Filming for Tibet“, sagte, Gyatso sei zuletzt am 20. September in Lanzhou, der Hauptstadt der Provinz Gansu, gewesen und von dort nach Tsoe (chin. Hezuo) in Amdo gereist.

„Ich bin mir sicher, daß Jigme Gyatso von den chinesischen Sicherheitskräften festgenommen wurde und ich fürchte, daß er ebenso wie bereits früher mißhandelt wird“.

Tibetische Netzbürger benachrichtigten einander unter großem persönlichem Risiko über Jigme Gyatsos Verschwinden. Ein Eintrag bei Sina Weibo vom 30. September lautet: „Seit zehn Tagen fehlt jede Spur von Jigme Gyatso“.

Und auf einer anderen Seite, Sangdhor.com heißt es auf Tibetisch: „Seit zehn Tagen wissen wir nicht, wo sich Jigme, der Hersteller des Films Jigdrel, der auch als Golog Jigme bekannt ist, befindet. Angehörige und Freunde sind in großer Sorge. Wer etwas über ihn erfährt, möge uns bitte sofort kontaktieren, danke“. Dieser Eintrag wurde sehr schnell wieder von Sangdhor.com gelöscht.

Dhondup Wangchen, der wegen der Produktion dieses Films eine sechsjährige Haftstrafe verbüßt, wurde letzten Monat als einer der Empfänger des Internationalen Preises für Pressefreiheit 2012 des CPJ nominiert, mit dem alljährlich mutige Berichterstattung gewürdigt wird.

Weitere Nachrichten unter http://www.filmingfortibet.org/2012/10/04/assistant-filmmaker-of-leaving-fear-behind-jigme-gyatso-missing/

Quelle: Phayul, www.phayul.org