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Platonakademie(233). Redetext des zweiten Youtube-Videos (ergänzt und vertieft) / Eine Darstellung des Nachweises der Unendlichen Ordnungen für jedermann

Platon-Akademie, 9. August 2018

Willkommen, liebe Gäste, zum zweiten Video. Wie schon angekündigt: Es gibt ein Argument, das jeder Art von Liebe (grundsätzliche) Freiheit zugesteht, nicht nur der Nächstenliebe. Dass erotische Liebe zu mehr als einem Menschen ein Verbrechen sein soll, vor dem das 6. Gebot warnt, würde eines harten, objektiven Beweises bedürfen, der jedermann in jedem Volk überzeugen kann. Religiöse Überzeugung ist dagegen nur eine subjektive, so genannte Überzeugung. Religion nennt sich ja selbst „Glaube“. Religion heißt Vertrauen auf uralte Überlieferungen.

Im Voraus will ich etwas wenig Beachtetes festhalten, nämlich den Begriff der „Ganzen Liebe“. Mit Ganz Lieben ist gemeint: Ich liebe an meiner Geliebten – und für sie gilt natürlich dasselbe umgekehrt – nicht nur ihre Erscheinung und Umgangsart, sondern generell auch ihr Bewusstsein: ihre Gedanken, Gefühle, Wünsche, ihre Wertvorstellungen. Ganze Liebe ist das höchste Niveau von Liebe. Sie kommt relativ selten vor, heute allerdings immer häufiger. Denn zur Ganzen Liebe gesellt sich die Freiheit und wir schneiden damit das Thema Eifersucht an.

Liebt die Partnerin neben mir noch einen anderen Mann, so liebe ich sie ganz nur, wenn ich ihre Gedanken an ihn, ihr Liebesspiel mit ihm - letztlich ihr Bewusstsein - in meine eigene Liebe mit integriere. Tuen zwei Partner das nicht einvernehmlich oder bringt es zumindest einer von ihnen nicht fertig, dann ist die Liebe nur eine halbe.

Dann wird ihr höchstes Niveau nicht erreicht. Darüber gibt es natürlich viel zu sagen. Wir sind vor allem an dem Punkt angelangt, wo wir endlich erfahren müssen, wie die Begründung für das Recht auf Freiheit der Liebe – wo immer Liebe überhaupt zustande kommt – genau aussieht. Sonst bleibt Polyamorie nur jene Verwahrlosung, die ich im 1. Video angesprochen habe.

Sie sind, liebe Gäste, bei unserem „farbenfrohen Thema“ sicher schon auf alles gefasst und wundern sich nicht allzu sehr, wenn ich nun als Grundlage des immer noch geheimnisvollen Argumentes nichts Alltäglicheres vorzeige als diesen 10-Euro-Schein hier. Sie werden fragen, was der mit der Freiheit der Liebe zu tun hat. Aber das sehen wir gleich anschließend!

Schauen Sie. Jedermann wird es als Selbstverständlichkeit ansehen, dass der Schein einzelne Euro-Münzen repräsentiert, auch wenn er aus ganz anderem Material besteht; und zwar 10 Stück. Er ist so gesehen in gewisser Hinsicht die unmittelbare Ursache der Existenz dieser Münzen, denn er lässt sich durch Wechseln in sie verwandeln. (Das ist freilich keine zeitliche Ursache, sondern eine unmittelbare. Eine Begründung.)

In dieser Weise ist jede Münze ihrerseits die Ursache - wir benützen dieses Wort! - für 10 Zehntel-Euros, diese wiederum sind die Existenz-Ursache für je zehn Cent. So geht es unendlich weiter mit 0,01, 0,001 …, also gegen Null, was aber nie erreicht wird.

Wir verlassen so, wie Sie sehen, den Vergleich mit dem Geld und stellen fest, das Gesagte gilt für die Zahlen selbst: Eine Zahl verursacht alle denkbaren kleineren in ihr enthaltenen Zahlenordnungen. Bleibt die Frage, woher wir dann überhaupt den Zehner haben. Der könnte eine reine Behauptung ohne Begründung sein. Aber er ist bereits verursacht. Denn es gibt ja den Hunderter, den wiederum gibt es weil es den Tausender gibt.

Weil es keine größte Zahl gibt, stehen wir vor einer Ordnungs-Folge vom grenzenlos Großen bis zum grenzenlos Kleinen und stellen fest: Die Wirklichkeit enthält tatsächlich etwas, das sich von selbst verursacht, nämlich die Zahl. Ihre unendlichen Ordnungen erklären die Selbst-Verständlichkeit der Zahl.

Ich verstehe nicht, warum dieser „unendliche Regress“ nirgends in der Philosophiegeschichte seine große Rolle als absolute Ursache spielt. Als absolute Ursache ist er ja nicht einmal bloße Philosophie, sondern knallharte Wissenschaft. Gefunden habe ich bisher keine Andeutung.

Die Rolle der unendlichen Ordnungen ist mir 1956/57 gedämmert an Hand von Doppelsternen, deren Komponenten wieder Komponenten haben (Beispiel Epsilon Lyrae), und hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob nicht unsere energetisch-materielle, erlebte Welt - die Wirklichkeit - sich ebenfalls durch unendliche Ordnungen selbst verursacht. Schließlich vermerkte schon Pythagoras, die Welt bestehe aus Zahlen.

Sozusagen könnte ein Universum verursacht sein, weil es ein größeres gibt, von dem es einen Teil darstellt, usw. Dann wäre alles uns umgebende Seiende „selbst“verständlich; ohne göttlichen Erschaffer. Im Proton könnte sich dann ein ganzes Universum befinden. Diese Idee hat übrigens auch der Astrophysiker Carl Sagan in seinem Buch „Unser Kosmos“ beschrieben und nannte sie eine der großartigsten Annahmen der Wissenschaft. Den Verursachungsmechanismus erwähnt er nicht.

Jetzt Ihre Frage: Was hat das mit der Liebe zu tun? Antwort: Wir, weil wir Teil der Wirklichkeit sind, sind nicht von einem Gott geschaffen. Unsere höchste Werte-Instanz ist die Natur. Die alten indischen Veden vermuteten bereits, dass die Welt und der Mensch ein selbstverursachtes Eines ist. Unsere zweigeschlechtliche Natur beruht auf unseren super-komplexen Erbanlagen, dem Genom. Und diese Natur verantwortet auch die ethischen Motive des Lebens. Sexuelle Liebe - „Ursprung meines Ichs“ - als Abartigkeit darzustellen, ihre Freiheit als Verbrechen, das wird hypothetisch einem rein menschenähnlich konstruierten Erschaffer der Welt zugeschrieben.

Ich fand für die Unbegrenztheit der Ordnungsfolge von Universen damals keinen Beweis. Allerdings gab ich die Suche nicht mehr auf. Nach 30 Jahren fand ich ihn in Form von zwei Gleichungen. Die Überlegungen in gingen über das, was Universitäten beitragen, weit hinaus. Mit mathematischer Vorbildung können Sie es nachlesen unter

www.platonakademie.de

Bis zum nächsten Video also viel Spaß beim Nachdenken über diese Zusammenhänge!
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Portrait der Platonakademie. Die 1995 erneuerte Platon-Akademie (PA) versteht sich als Fortsetzung und Abschluss der antiken. Sie versucht, im naturwissenschaftlich widerspruchsfreien Konsens die richtige Antwort auf die von Platon gestellten Fragen nach der Herkunft der Naturgesetze und nach der besten Gesellschaftsform zu finden. Vor allem ist sie als Internet-Akademie aktiv. Sie strebt keinen juristischen Status an (Verein etc.). Die PA wurde 529 von der Kirche aus weltanschaulicher Konkurrenz verboten.
Anton Franz Rüdiger Brück, geb. 1938, Staatsangehörigkeit Deutsch. Humanistisches Gymnasium. Hochschulstudien: Physik, Mathematik, Philosophie, Pädagogik. Ausgeübter Beruf: Bis 2000 Lehrer im Staatsdienst. Zuschriften bitte per Post an: s. Impressum in platonakademie.de


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