ssvn as

Platon-Akademie (15): Heisenbergs Brief

Platon-Akademie, 7. Oktober 2009

Die Idee einer elementaren und kleinsten Länge (vgl. die PM (11) vom 24.9.2009, 13:43) ist älter als die TFZ. In H. Franke (Hg.), Lexikon der Physik, Stuttgart 1959 heißt es zu „Länge“:
„In der Theorie der Elementarteilchen deutet sich immer stärker die Existenz einer elementaren Länge an, welche eine Grenze für die Anwendbarkeit der bisherigen Theorie setzt und als wesentliche Grundkonstante in eine vollständige Theorie eingehen müßte, ähnlich wie die Plancksche Konstante h in der bisherigen Quantentheorie. . . . Die e. L. dürfte gleichzeitig eine kleinste Länge sein in der Bedeutung, dass es keinen Sinn hat, kleinere Längendimensionen in irgendeine Betrachtung einzuführen.“ (W. Braunbek).
Werner Heisenberg versuchte 1958 seine „Weltformel“ u.a. auf die Hypothese zu gründen, dass der Durchmesser des Protons die kleinste Länge sei. Damals gab es allerdings keine starken Teilchenbeschleuniger. Mit ihnen hätte man ins Innere des Protons vordringen können, also in Kleineres, und Heisenbergs Idee wurde dann auch verworfen, als man mit Großbeschleunigern tatsächlich immer kleinere Längen messen konnte. Schließlich kam dann der Nachweis der Heisenbergschen kleinsten Länge (platonakademie.de, „Hörsaal“ II, Gl. (2)) mittels des Zeitaxioms zu spät.
Weil die Existenz mehrerer kleinster Längen absurd klingt, kam eine Diskussion nicht zustande. Das war mathematisch gesehen voreilig, weil manches Extremums auch von Parámetern abhängt, wie schon der Abiturient aus der Differentialrechnung weiß. Der Parámeter ist hier die Energie. „Kleinere kleinste“ Längen im Innern von Elementarteilchen werden unter Beschuss mit höherer Energie sichtbar. Mit verschieden hoher Energie lässt sich die kleinste Länge variieren, die zunächst für kleine Energien gilt. Wir werden an das Auflösungsvermögen eines Mikroskops erinnert: Kurzwelliges Licht bringt mehr Auflösung als langwelliges.
Energie war früher im Elementarteilchenbereich nicht beliebig verfügbar. Das änderte sich. Deshalb heute auch die großen Erwartungen in den LHC. An materiellen Reaktionen niederer Energie jedoch nimmt nichts teil, was kleinere Abmessungen hat als der Protonenradius (-durchmesser).
Ab 1970 war die Physik schon weitgehend taub für eine solche Diskussion. So schrieb Heisenberg, der den Beweis für eine kleinste Länge dringend gebraucht hätte, am 20.7.1971: „Sehr geehrter Herr Brück! Dem Max-Planck-Institut für Physik werden so häufig von den verschiedensten Seiten Manuskripte zur Beurteilung übersandt, daß wir, um eine Überlastung mit solchen Arbeiten zu vermeiden, leider gezwungen sind, die sachliche Nachprüfung oder irgendeine Stellungnahme zu den unverlangt eingesandten Arbeiten grundsätzlich abzulehnen. Wir bitten Sie zu entschuldigen, daß wir auch in Ihrem Fall keine Ausnahme von dieser uns durch die Umstände aufgezwungenen Regel machen können. Mit vorzüglicher Hochachtung/Heisenberg“.
Selbstverständlich sind unbrauchbare Ideen in aller Welt in der Überzahl, und davon ging Heisenberg zu Recht aus. Seine Wortwahl deutet auch weniger auf persönliches Desinteresse hin – dieses wäre ganz unwahrscheinlich – als vielmehr auf den mageren Nährboden unserer Gesellschaft und ihrer Organisationen, den der Journalist Heribert Prantl kürzlich in anderem Zusammenhang so charakterisierte: „Das Problem der Gesellschaft ist nicht die Aktivität, sondern die Passivität.“. . . „Die Gesellschaft hat dann Halt, wenn viele Leute Haltung zeigen.“ (SZ, 19.9.2009, S.4).
Man sagt gesellschaftliche Passivität besonders gern den Deutschen nach. Dem Brief Heisenbergs stand – von heute aus gesehen fast zeitgleich – der vorwärtsgewandte Kommentar Herbert Fröhlichs von der Universität Liverpool gegenüber, der als Deutscher nach England emigriert war. Eigentlich veranlasste erst Fröhlichs positiver Rat (s. Link in platonakademie.de vor „Hörsaal“ II) die nähere Untersuchung des Zeitaxioms, die sich allerdings, was niemand wissen konnte, als tiefgründiges und langatmiges Umdenken von Grund auf entpuppte. Es gab des öfteren jahrelange Pausen, teils beruflich bedingt, aber auch weil der Autor R. Brück zu wenig Interesse an Public Relation hatte. Ein ausreichend lückenloser und einigermaßen zuverlässiger Wissensstand wurde erst 2008/9 erarbeitet, motiviert durch die Kosten und die Havarie des LHC.
Platon-Akademie (PA). Sie wurde als Fortsetzung der
antiken PA neu gegründet und befindet sich im Aufbau.
Das Ziel ist jedoch grundsätzlich nicht die Fortsetzung
oder Wiedergabe der spekulativen Philosophie Platons.
Vielmehr ist es jetzt ihre Aufgabe, im
naturwissenschaftlich widerspruchsfreien Konsens die
richtige Antwort auf die großen modernen philos. Fragen
zu finden.
Leitung: A.Fr. Rüdiger Brück
Staatangeh. Deutsch
Geb. 1938 in Völklingen
Human. Gymnasium
1959 Abitur
Studien: Pädagogik, Philosophie,
Mathematik, Physik
Ausgeübter Beruf: Bis 2000 Lehrer im Staatsdienst
Platon-Akademie
Anton Franz Rüdiger Brück
Schönblickstr. 9B
D-83071 Stephanskirchen
Tel. 08036/908110
Mail platonakademie@aol.com


Original-Inhalt von Platon-Akademie und übermittelt von Platon-Akademie