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Platon-Akademie (4): Kleine Geschichte, wie das Image der Wissenschaft unterhöhlt wurde

Platon-Akademie, 31. Juli 2009

Ein fernöstlicher Spruch besagt: „Folge nicht den Spuren deines Lehrers. Suche, was er gesucht hat.“ In Europa – und den Europatöchtern in aller Welt – scheint sich die Weisheit entgegengesetzt darzustellen: Suche nicht, was dein Lehrer suchte, sondern trete in seine Fußstapfen. Anders: Autorität geht vor Wahrheit.
Der Verdacht jedoch, die westliche Wissenschaft sei als solche nichts als ein Streben nach Macht, ist nur entstanden, weil überall eine Minderheit auffällt, die die Szene zu vergiften sucht und weil die Idealisten unter den Forschern dazu entsetzt schweigen. Ausgerechnet in Forschung und Wissenschaft offenbart sie nämlich ihren traurigen Charakter ganz besonders auffällig: Sie eifert der Inquisition nach, die einst für Fanatiker eine unwiderstehliche Anziehungskraft hatte.
Nicht nur echte Forscher und Wissenschaftler, auch unechte besetzen daher wohlpromoviert und gut getarnt an mancher Schaltstelle. Und manche sind gar pure Verräter der großen Ideale. Der wohl problematischste Fall war Robert Hook, der gegen Newton so offen hetzte, dass dieser seine Gravitationstheorie zehn Jahre lang nicht mehr herzeigte.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG befasste sich am 7.11.1998 mit dem Ethos jener Minderheit: „Die Mechanismen“ – gemeint ist: des Widerstandes gegen neue mutmaßliche Ergebnisse – „umfassen publizistische und institutionelle Zensur, systematische Zermürbung, formale und statistische Einsprüche, die von der inhaltlichen Auseinandersetzung ablenken sollen, bis zum Betrugsverdacht und der politischen Diffamierung.“ Und das Entscheidende: „Nur eine argumentative Auseinandersetzung mit den unbequemen Ergebnissen findet nicht statt.“ Die SZ bezog sich auf die Degradierung des renommierten Biochemikers J. Benviste.
Wer sich für die Unterhöhlung der Forschung – und sie ist unbeachtet so unterhöhlt wie der Concordiasee! – interessiert, lese die fatale Geschichte in dem Buch „NEWTONS KOFFER“ des Wissenschaftshistorikers Frederico di Trocchio, Campus 1998.
Die Geschichte der menschlichen Erkenntnis ist zugleich die Geschichte einer Prügelei um Meinungen. Sie ist erstmals 399 v.Chr. belegt, als der Mob Sokrates den Giftbecher zu trinken gab, weil der weise Mann nicht auf den üblichen Spuren wandeln wollte.
387 v. Chr. wurde dann Platon von Dionys, dem Tyrannen, einem Sklavenhändler übergeben, weil er unnachgiebig nach der menschengrechten Staatsordnung geforscht hatte. Bremsen konnte der Tyrann von Syrakus den rollenden Stein nicht, er setzte nur sich selbst ins schlechte Licht der Geschichte. Der Tunichtgut Platon wurde nämlich auf dem Sklavenmarkt zufällig von einem Freund erkannt und losgekauft. Kaum in Freiheit, gründete er die berühmteste Schule für philosophische Diskussionen, Grundlagenforschung würde man heute sagen, und bemerkte zuletzt klugerweise, niemals habe er seine persönliche Meinung geäußert. (Ähnlich Kopernikus, der mit Blick auf die Inquisition sein Werk eine Hypothese nannte, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun habe.)
Als viel später die Christen kamen und das Elementare schon per Dogma genau zu kennen vorgaben, stoppte Kaiser Justinian im Jahr 529 jede Weiterentwicklung des Wissens, indem er die Platon-Akademie strikt verbot. Die Ein-Gott-Religionen signalisierten freilich selbst erheblichen Klärungsbedarf. Zwischen ihnen tobte bald die Prügelei in gesteigerter Form: in Millionen Ketzerverbrennungen, Völkerausrottungen, und heute sind es die blutigen Terroranschläge. Die Welt wartet noch immer auf unumstößliche Gewissheit.
Inzwischen sind die Christen so entzweit, dass es angeblich schon 64 000 Splittersekten gibt, die im wesentlichen nur noch der Kernglaube rund um einen väterlichen Gott verbindet, dessen Existenz sie aber nie beweisen konnten.
Platon-Akademie (PA). Sie wurde als Fortsetzung der
antiken PA neu gegründet und befindet sich im Aufbau.
Das Ziel ist jedoch grundsätzlich nicht die Fortsetzung
oder Wiedergabe der spekulativen Philosophie Platons.
Vielmehr ist es jetzt ihre Aufgabe, im
naturwissenschaftlich widerspruchsfreien Konsens die
richtige Antwort auf die großen modernen philos. Fragen
zu finden.
Leitung: A.Fr. Rüdiger Brück
Staatangeh. Deutsch
Geb. 1938 in Völklingen
Human. Gymnasium
1959 Abitur
Studien: Pädagogik, Philosophie,
Mathematik, Physik
Ausgeübter Beruf: Bis 2000 Lehrer im Staatsdienst
Anton Franz Rüdiger Brück
Schönblickstr. 9B
D-83071 Stephanskirchen
Tel. 08036/908110
Mail platonakademie@aol.com


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