ssvn as

Platonakademie (241): Der Empirismus verwirft das Wesen der Dinge, die Physiker wollen nur Einzelexperimente, und die Platonakademie schuldet ihrer Vorgängerin die Auswertung des Zeit-Axioms / Zweifellos ein Themenkreis für Athen selbst

Platon-Akademie, 3. Februar 2019

Als Griechen vor 2500 Jahren die Zeit als das „Alles Bewegende“ erkannten, begründeten sie mit dem Axiom „Alles fließt“ das europäische, eindeutige Wissen um das Wesen der Welt. Trotzdem verabschiedeten sich die Engländer unter Francis Bacon (1561 - 1626) von der europäischen Gründlichkeit. Sie stellten das Einzelwissen über das Zu-Ende-Denken. Spezialisierte Experimente versprachen ihnen sichtbare Wissenserfolge. Der große Zusammenhang interessierte sie nicht.

Warum die denkfreudigen Europäer sich davon verführen ließen, lässt sich erklären: Viel mehr Forscher konnten nun ihre Gedankensorgfalt in eine immer großartiger werdende Beobachtungstechnik investieren. Einfacher war es jedenfalls. Gelegen kam, dass sich im Mittelalter der Vatikan entschlossen hatte, den europäischen Bildungsschwerpunkt aus dem allzu frei denkenden Athen in das philosophisch harmlose Rom zu verlegen. So hatte er den Empiristen die Steine des Nachdenkens aus dem Weg geräumt, und in der Neuzeit waren dann viele gläubige Physiker erleichtert, dass sie den ebenfalls nach Tiefsinn ausschauenden, wenn auch nur emotional begründeten katholischen Glauben - das Wort „katholisch“ (= allumfassend) ist hier sektenübergreifend gemeint - nicht einem axiomatischen Wissen opfern mussten: Was wäre nämlich aus der heiligen Familie und dem märchenhaften Weihnachten geworden, wenn der Vater „nur“ noch aus Zeit bestanden hätte?

In Wahrheit verwandelte der Empirismus die tiefgreifende Diskussion der Welt in eine oberflächliche: Bloße Beobachtung bringt nun mal keine Welterklärung, sondern bestätigt nur das Dasein der Welt. Dass die Beschränkung auf Experimente eines Tages in einem Hypothesen-Chaos enden würde, ahnten die Physiker nach Bacon nicht. Heute ändern selbst geistvolle, hochmathematische Ideen wie Supersymmetrie und String-Hypothese nichts mehr an der verfahrenen Situation. Die Welt, das Universum, blieb unerklärlich.

Die Rolle der nicht beliebig wählbaren Variablen Zeit muss nun erst die Runde machen. Da ist es doppelt interessant, das die Physikerin S. Hossenfelder der Situation ihr kritisches Buch „DER KOSMOS IST NICHT HÜBSCH“ gewidmet hat (2018).

*
Man hätte die Analyse des Zeitaxioms nicht übersehen dürfen. Die erneuerte PA arbeitet seit Jahrzehnten daran, dass Athens Universität (im weiten Sinne verstanden) als Denkmal aller inzwischen entstandenen Universitäten anerkannt wird. Das klassische Athen ist die Substanz des heutigen. Auch falls die Menschheit künftig wegen ihrer Zerstörung der Biosphäre auf einen Bruchteil geschrumpft sein wird (s. PM(237)), kann Athen mit seinem fundamentalen Ansatz Zentrum ihrer Bildung sein. Das hängt von seinen Physikern und Philosophen ab.

Denn als das Zeit-Axiom vor 50 Jahren erstmals formalisiert war, vermochte es sogar das bisher abstrus erscheinende jenseitige „Ideenreich“ Platons nachzuweisen (aufgezeigt in PM(239), s. Abschnitt VII). Der nie für möglich gehaltene Nachweis beruht ebenso wie der Nachweis der Selbstverursachung der Universen (s. PM(7) und PM(210)) auf dem Kernstück der Theorie der fließenden Zeit (TFZ), nämlich der räumlichen Elementarlänge (El), die als Elementareinheit r° den Betrag 1 hat. Die El grenzt als kleinste Länge die Welt gegen Null ab, gegen den Punkt, das Nichts. Drittens aber - und vielleicht überrascht das am meisten - wurzelt auch das Phänomen des Fließens der Zeit selbst in der El. Die Antike hatte das Fließen nur empirisch sichergestellt. Es rührt von dem Wahrscheinlichkeitswert 1 der El her, der sich auf eine Elementarzeit t° überträgt, die den Stillstand der Zeigerspitze auf der Uhr verhindert. Nachzulesen in PM(214), (215).

Die El ist, bildhaft gesagt, der Mittelpunkt des Kreises Physik. Schon in der Alten Akademie meinte Xenokrátes - zweiter Nachfolger von Platon - dass es eine Elementarlänge im Sinne einer kleinsten Längeneinheit geben müsse (PM(221)). In der Neuzeit entwarf nicht erst die TFZ diese Idee. Die TFZ stieß 1969 nur unvorhergesehen auf ihren Nachweis. Vorher spekulierten schon Sir Arthur Eddington und Werner Heisenberg mit einer kleinsten Länge. Sie vermuteten ihren numerischen Betrag im Protonenradius (oder -durchmesser): r°=1,32 10^-13 cm.

Im Ganzen wird deutlich: Damit die logischen Ansätze des Wissens um das Wesen der Welt wiederbelebt werden, muss die vom Empirismus entkräftete Grundlagenforschung der Philosophie die Hand reichen. Das Motiv der Philosophie war zu keiner Zeit mit blindem Phantasieren gleichgesetzt. Philosophie war immer die verbale Vorstufe von Wissenschaft.

Zur Kritik am Empirismus genügt es, die elementare Längeneinheit des empirisch zugänglichen Raumes richtig zu verstehen: Sie tritt nur bei augenblicklicher Längenmessung auf, also während der sehr kurzen Dehnung t°=4,4 10^-24 s der Gegenwart T. Indirekt, d. h. außerhalb des Augenblicks T, können auch kleinere Längen rechnerisch erschlossen werden. Diese sind dann feste Zahlen und gehen in der augenblicklichen Welt in r° auf.

*
Wie man formal nachweist, dass Längenmessungen zum Zeitpunkt T auf einer kleinsten Einheit r° basieren, liest man in PM(74) nach. Dennoch hier für Neueinsteiger eine kurze Wiederholung.

Die Gegenwart T verweilt nur mit gewisser Wahrscheinlichkeit im Intervall t°, und daher nur kurzfristig. T ist, vom kosmologisch Nullpunkt an gezählt, das Weltalter. Die momentane Uhrzeit zeigt im Grunde das Wachsen des Weltalters. Kein Subjekt kann, wie man weiß, seine Gegenwart per Zeitmaschine in andere Zeiträume verschieben. Wäre es möglich, könnte ich in die Jurazeit zurückschalten. Weil das nicht geht, kann ich die momentane Uhrzeit T additiv nur mit 0 und multiplikativ nur mit 1 verknüpfen. Dieses Gesetz ist die so genannte Gegenwartsbedingung GB.

Die GB lässt sich auf Galileis Trägheitsgleichung r = vt (Weg = Geschwindigkeit mal Zeit) anwenden. Die Strecke r ist immer eine rationale Zahl, d. h. ein gewöhnlicher Bruch wie 3/4 oder 211/877 usw., der nach Ausdividieren endlich viele Stellen nach dem Komma hat. Unendlich viele Stellen nach dem Komma (irrationale Strecken) wären sinnlos. r ist allgemein also p/q mit natürlichen Zahlen p und q. Somit geht man von p/q=vt aus und ersetzt ggf. wegen der GB t durch die Gegenwart T, auf die die Zeigerspitze zeigt: Man erhält p/q = vT. Wenn man jetzt durch T dividiert: v = p/(qT) und die GB betrachtet, sieht man: q ist immer 1. r zeigt sich demnach bei der Messung in ganzzahligen Einheiten: r=pr°, nicht als Kontinuum.
_________________

Portrait der Platonakademie.
Die 1995 von Anton Franz Rüdiger Brück erneuerte Platon-Akademie (PA) versteht sich als Fortsetzung und Abschluss der antiken. Sie versucht, im naturwissenschaftlich widerspruchsfreien Konsens die richtige Antwort auf die von Platon gestellten Fragen nach der Herkunft der Naturgesetze und nach der besten Gesellschaftsform zu finden. Vor allem ist sie als Internet-Akademie aktiv. Sie strebt keinen juristischen Status an (Verein etc.). Die PA wurde 529 von der Kirche aus weltanschaulicher Konkurrenz verboten.
A. Fr. R. Brück, geb. 1938, ist Autor dieser Artikel. Staatsangehörigkeit Deutsch, Humanistisches Gymnasium. Hochschulstudien: Physik, Mathematik, Philosophie, Pädagogik. Ausgeübter Beruf: Bis 2000 Lehrer im Staatsdienst. Zuschriften bitte per Post an: s. Impressum in platonakademie.de


Original-Inhalt von Platon-Akademie und übermittelt von Platon-Akademie