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Platonakademie (245): Frank Walter Steinmeier: Der Politik fehlen „Inseln der Verlässlichkeit“ / PA: Es gibt diese Insel(n) / Ökologische Probleme aussitzen wird schwierig / Beitrag zum Bericht an die Philosophen der UdS / Änderungen am 23.3.19

Platon-Akademie, 22. März 2019

Merkels mangelhaftes Klima-Engagement mehrt das politische Chaos auch sonst. Es ist eine Riesenblamage, dass Bundeskanzleramt, Bundestag, Bundesländer, Umwelt-, Wirtschafts- und Kultusministerien durch Schüleraufmärsche belehrt werden müssen, wie es angesichts des Klimawandels um die Zukunft steht. Den staatlichen Institutionen fiele es ja umgekehrt zu, der Jugend die Welt zu erklären. Auch diese Blamage könnte die derzeitige Bundeskanzlerin schnell aussitzen, würden nicht Erwachsene und Tausende Wissenschaftler die Jugendproteste würdigen und gleich auch der Klimakatastrophe den Artenschwund an die Seite stellen. Da muss jeder Politiker zumindest offiziell applaudieren.

Eine Phoenix-Sendung am 7.3.2019 über das häufige Lügen in der Politik brachte ein Zitat von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier ins Gespräch, der in einer Rede bedauert hatte, dass es der Politik an „Inseln der Verlässlichkeit“ fehle. So ist es: Es steigt und fällt die Verlässlichkeit des Gesagten je nach persönlichem Geschmack.

Politische Rede steht der Dichtung und Malerei näher als der Logik. Wandbilder werden gemalt und ausgestellt, grell leuchtend oder pastellgetönt, je nach Raffinesse der Farbtöne, und was gestern gemalt wurde, lässt sich heute überpinseln. Der Eine bejaht eiskalt (auch so in farbiges Wort!), was der Andere brühwarm (auch so ein farbiges Wort!) leugnet. Dabei gilt Verdrehen und Vertuscheln nicht nur der kaputten Biosphäre: Die klassischen Parteien, gespickt mit Restgefühlen aus dem Monarchie-Zeitalter, sorgen auch dafür, dass Unterschichten möglichst keine sozialen Ideen verwirklichen. Man sieht wie vor 1918 in Gewerkschaften immer noch Gegner. Da war einmal ein Kurt Eisner, der, obwohl längst totgeschossen, totgeschwiegen wird.

Weil Wörter nicht eindeutig sind, eignen sich verbale Sprachen eher für Stimmungsmache als für Argumente. Politische Lügen sind nicht allzu selten, Halblügen sind häufiger. Es gibt auch Viertellügen. Die Ergebnisse der Konferenzen zur Klimarettung kamen daher nie über das Aussitzen der Probleme hinaus. Von der Naturwissenschaft Biologie will man sich schließlich nicht das Bibelwort „mehret euch und macht euch die Erde untertan“ verbieten lassen.

So gründet man medienwirksam „Runde Tische“, die der viel zu aggressiven Landwirtschaft die Möglichkeit bieten, Ökologie abzuwerten. Seit Ende der Eiszeit regiert das Motto „dees Viechzeug muass weg“.

Dazu passt nun, dass wider Erwarten alle verbale Sprache in der Tat aus einer verlässlichen Insel keimt, deren Urgestein Härte 10 selbst Sprache ist. Hin und wieder schimmern Konturen dieser Insel sogar durch den Farbennebel der Emotionen. Ihre Wörter sind nicht mehr vieldeutig, ihre Sätze können nichts verschleiern.

Diese geheimnisvoll-verlässliche Inselsprache nimmt zwar keine Farbe an, nicht einmal wenn ihr Gestein zu feinstem Pulver zerrieben ist, wird aber sage und schreibe rund um die Erde völkerübergreifend verstanden! Ist sie etwa zu trivial, um bekannt zu sein? Sowas gibt es. Ihre einzige Schwäche: Farblos wie sie ist, bringt sie zwar keine Witze zustande, kann aber restlos unter Witzen begraben werden.

Ist indes eine Sprache, die keine Witze machen kann, nicht selbst ein Witz?

Die Antwort passt genau in das europäische Denken und bestätigt erneut das Kränkeln des Empirismus (PM(241)). Sie kommt von einem griechischen Philosophen, nämlich einem der ersten, einem Zeitgenossen des Thales. Schülern ist sein Name Pythagoras sehr vertraut. Er soll behauptet haben, dass die Welt aus Zahlen besteht, was die TFZ bestätigt hat. Auf Zahlen kann man sich daher verlassen. Zahlen sind die einzigen Wörter, mit denen sich keine Witze dichten lassen.

Seit Pythagoras ist daher die verlässliche Insel, die der Politik fehlt, die Mathematik. Griechisch máthema bedeutet Wissen, Kenntnis; siehe dazu die unentbehrliche Fußnote*).

Die Welt, und sogar alle Welten, haben sich dank ihrer mathematischen Natur im Jahr 1986 als etwas erwiesen, was sich absolut selbst verursacht. Man kann auch sagen, die Welt ist selbstverständlich (PM(243)). Auch jede Einzelheit der Welt muss sich, weil sie zur Welt gehört, irgendwie aus der Ursache der Welt verstehen lassen. Auch der Mensch. Auch das Ich (PM(149 bis 152)). Auch menschliche Verhaltensmotive (PM(68), der KOSMMA), sein Bewusstsein, seine „Seele“ unterliegen den logisch-verlässlichen Gesetzen der aus sich selbst erklärlichen Welt. Der Mensch hat seine Ursache nicht außerhalb der Welt, obwohl er das gern glaubt.

Die Konsequenz mit der größten „philosophischen“ Tragweite lautet daher: Es gibt kein überweltliches Wesen, das die Welt erfunden hat.

Logisch bedeutet in der Welt des Lebendigen bio-logisch, molekularbio-logisch, öko-logisch, denn die Erscheinungen der Lebendigkeit, wie eben auch das Bewusstsein, werden erklärlich durch die alle Vorstellungen weit übersteigende biologische Komplexität, die schon in PM(5), (68), (99), (112), (150), (149) u.a. Pressemitteilungen der Platonakademie behandelt wurde und im Denken sehr weniger Forscher eine Rolle spielt - weil eben der Mensch nicht einsehen will, dass die Natur, die Wildnis, die weggehört, mehr kann als er.

Traditionellem Denken mag solches Umdenken zum Kotzen sein. Der Jugend aber nicht. Sie hat von Traditionen erst oberflächlich gehört. Der Nachwuchs durchläuft als Erstes eine Grundausbildung, lässt die Welt auf sich wirken, soll Traditionen zwar lernen, entdeckt aber dabei vorurteilslos-gefühlsmäßig die Ungereimtheiten zwischen Althergebrachtem und logischen Tatsachen.

So lichtet sich allmählich der Nebel über der Insel der Verlässlichkeit.
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*) Anzunehmen, Mathematik gehe nur mit Differenzialgleichungen einher u. ä., ist bemerkenswerterweise gerade in diesen Dingen falsch. Die GB benötigt für das Grundlegende nur formalisierte Gedanken auf dem Niveau 5+3=8. Solche Ausdrücke sind eindeutig, weil die Frage, ob z.B. 5+3=8 auch dann noch stimmt, wenn man die 3 mit einem Minuszeichen versehen auf die andere Seite bringt, eindeutig mit ja beantwortet wird. Denn dann heißt es 5=8-3.
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Portrait der Platonakademie. Die 1995 von Anton Franz Rüdiger Brück erneuerte Platon-Akademie (PA) versteht sich als Fortsetzung und Abschluss der antiken. Sie versucht, im naturwissenschaftlich widerspruchsfreien Konsens die richtige Antwort auf die von Platon gestellten Fragen nach der Herkunft der Naturgesetze und nach der besten Gesellschaftsform zu finden. Vor allem ist sie als Internet-Akademie aktiv. Sie strebt keinen juristischen Status an (Verein etc.). Die PA wurde 529 von der Kirche aus weltanschaulicher Konkurrenz verboten.
A. Fr. R. Brück, geb. 1938, ist Autor dieser Artikel. Staatsangehörigkeit Deutsch, Humanistisches Gymnasium. Hochschulstudien: Physik, Mathematik, Philosophie, Pädagogik. Ausgeübter Beruf: Bis 2000 Lehrer im Staatsdienst. Zuschriften bitte per Post an: s. Impressum in platonakademie.de


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