Initiative Lebenskonzept Unternehmertum
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(PresseEcho.de) Ein nicht auf Nachhaltigkeit gerichtetes Streben nach kurzfristigem Erfolg, wie sich dies aufgrund kapitalmarktgetriebener Quartalsberichterstattung nicht selten einstellt, wird nicht nur in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise vermehrt kritisch betrachtet. Die Gesellschaft diskutiert mit zunehmendem Interesse Fragen der unternehmerischen Nachhaltigkeit. Die Unternehmen besinnen sich damit teilweise einhergehend und somit ebenfalls zunehmend auf traditionelle betriebswirtschaftliche Konzepte zur nachhaltigen Sicherung der Wertschöpfung unter Optimierung von Effizienz- und Effektivitätsgesichtspunkten.
Wertschöpfung als Erfolgsgrösse
Die Steigerung der Wertschöpfung, verstanden als (nicht rein monetäre!) Erfolgsgrösse ist grundsätzlich strategisches Oberziel existenzsichernder Unternehmensführung. Nur durch hinreichende Steigerung der Wertschöpfung kann das langfristig ausgerichtete Unternehmensziel der nachhaltigen Sicherung der Überlebensfähigkeit erreicht und gewahrt werden. Die unternehmerische Wertschöpfung kann rechnerisch unterschiedlich konkretisiert werden; sie kann insbesondere sowohl eine enge, auf ökonomische Ergebnisse abstellende Perspektive als auch weite, die gesellschaftliche Wohlfahrt einbeziehende Perspek tive aufweisen.
Unabhängig von der gewählten Perspektive lässt sich das Wertschöpfungsstreben von Unternehmen letztlich stets auf drei grundlegende Zwecksetzungen zurückführen, die die Interessen derjenigen Menschen verdeutlichen, die Unternehmen in Märkten und der Gesellschaft als Instrumente des Wirtschaftens nutzen. Diese Zwecksetzungen, nämlich in die Bedarfsdeckung, die Bedürfnisbefriedigung und die Entgelterzielung, bewirken die Gründung, den laufenden Betrieb und auch die Liquidation von Unternehmen.
Die unternehmerischen Zwecksetzungen berücksichtigen die instrumentell geprägte Handhabung von Unternehmen durch zielorientiert agierende Menschen. Der Zweck der Bedarfsdeckung ist auf die Befriedigung von Eigenbedarfen und die über Märkte funktionierende Befriedigung von Fremdbedarfen ausgerichtet. Der Zweck der Bedürfnisbefriedigung stellt die Sicherstellung von Grund-, Sicherheits-, Sozial-, Geltungs- und Selbstverwirklichungsbedürfnissen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Der Entgelterzielungszweck beinhaltet schliesslich monetäre Aspekte des Wirtschaftens, wie z. B. das Realisieren von Gewinnen, Zinsen, Gehältern, Löhnen, Steuern, Gebühren und Abgaben. Die drei Zwecksetzungen Bedürfnisbefriedigung, Bedarfsdeckung und Entgelterzielung, die interdependent und nur schwer priorisierbar sind, können auf die unterschiedlichen Anspruchsgruppen von Unternehmen (Stakeholder) bezogen werden. Es resultieren sehr unterschiedliche Erscheinungsformen von Interessensverbünden, die unternehmenspolitische Wirkungen entfalten, also letztlich die Unternehmensziele und das Unternehmenshandeln beeinflussen. Folglich stellt das unternehmerische Handeln nicht nur die Interessen der Eigen- und Fremdkapitalgeber, sondern auch die berechtigten Ansprüche von Führungskräften, Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und der Gesellschaft als Ganzes in den Mittelpunkt.
Wertschöpfung kennzeichnet nun also das Ergebnis des Prozesses, der zur Schaffung betrieblicher Werte führt (Wertschöpfungsprozess). Mit der Wertschöpfung wird speziell jener Mehrwert bestimmt, den ein Betrieb aufgrund seiner betrieblichen Leistungserstellung den (vom Beschaffungsmarkt bezogenen) Vorleistungen hinzugefügt hat (value added). Der erwirtschaftete Mehrwert verteilt sich schliesslich, als Kapital-, Arbeits- und Sozialwert, auf berechtigte Anspruchsgruppen.
Unternehmer und Manager als Genotypen
Mit Aufgaben der Unternehmensführung beauftragte Manager sind als Angestellte von Unternehmen oftmals den Vorgaben der Kapitalmärkte besonders verpflichtet und müssen insofern ihre Entscheidungen an meist eher kurzfristig formulierten Renditezielen ausrichten. Zudem ist ihre individuelle Vergütung häufig über Boni oder Sonderzahlungen mit vorrangig quantitativ erfassbaren und meist eher kurzfristig orientierten Renditezielen verknüpft, so dass Manager gemäss der Prinzipal-Agenten-Theorie opportunistisch ihren eigenen Nutzen, letztlich zum Schaden der Kapitalgeber, maximieren. Manager verfolgen innerhalb der Wertschöpfung daher vorrangig Bedarfsdeckungs- und Entgelterzielungszwecke; sie treffen Entscheidungen, die ihren persönlichen Nutzen, jedoch nicht zwingend den Nutzen für das Unternehmen maximieren.
Im Gegensatz zu Managern sind Unternehmer unabhängig und somit nicht nur willens, sondern auch in der Lage, neue Chancen zu erkennen und die damit verbundenen Risiken eingehen zu können. Unternehmer richten ihr unternehmerisches Handeln eher langfristig und nachhaltig aus. Flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege, effiziente Kommunikationsprozesse und Einzelverantwortung für einzelne Mitarbeiter charakterisieren unternehmerisch geführte, dann meist mittelständische Unternehmen. Für Unternehmer steht regelmässig nicht der monetär messbare Erfolg des Unternehmens im Vordergrund. Sie verfolgen technische, wirtschaftliche und soziale Ideen und kreieren Nutzen aus deren Verwirklichung, ohne wirtschaftlich bedeutsame Grössen zu vernachlässigen. Es dominieren also eher die Bedarfsdeckungs- und Bedürfnisbefriedigungszwecke innerhalb der Wertschöpfung. Neben den eigenen Renditeforderungen beachten Unternehmer besonders das Wohl ihrer Mitarbeiter und fühlen sich nicht selten zu gesellschaftlichem Engagement sowie zur Pflege des eigenen Standorts verpflichtet.
Sicherung der Wertschöpfung durch Unternehmer
Die Wertschöpfung wird von Unternehmern nicht nur anders interpretiert als von Managern, eine Steigerung der Wertschöpfung wird oftmals auch auf anderem Wege erreicht. Während Manager nach Maximierung eher operativer Renditeziele steuern, steht für Unternehmer zunächst die strategisch orientierte Steigerung des Unternehmenswertes im Vordergrund. Diese ist letztlich die einzige hinreichende Bedingung für die Sicherung der langfristigen Überlebensfähigkeit. Da Unternehmer ihr Unternehmen häufig als Familienunternehmen erhalten wollen, steigt ihre persönliche und emotionale Verpflichtung; Unternehmer haben also ein dominantes Eigeninteresse am dauerhaften Erhalt des Unternehmens.
Die so realisierte Wertschöpfung ist schliesslich auf die Anspruchsgruppen zu verteilen. Aus diesem Grund spielen Grössen wie Kundenzufriedenheit, Kundenbindung, gute Zusammenarbeit mit Lieferanten sowie ein positives Image in der Öffentlichkeit in vielen unternehmerisch geführten Unternehmen eine grosse Rolle. Da solche Unternehmen von der Unternehmerpersönlichkeit, der Kontinuität der Unternehmensführung, einer starken und nachhaltigen Unternehmenskultur und der Beziehungspflege innerhalb der Wertschöpfungskette geprägt sind, sind regelmässig deutliche positive Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter zu verzeichnen. Die Weigerung vieler Unternehmer, in schlechten Zeiten Mitarbeiter zu entlassen, sichert ihm in guten Zeiten regelmässig Treue und eine aus Leistungsbereitschaft resultierende hohe Produktivität. Somit steigern Unternehmer nicht nur die Wertschöpfung der Volkswirtschaft durch kreative Ideen und die von Joseph Alois Schumpeter in seinen theoretischen Überlegungen zum Kapitalismus so bezeichnete «schöpferische Zerstörung», sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarkts und der Volkswirtschaft an sich.
Förderung des Unternehmertums
Die heutige gesellschaftliche Situation, die vor allem in den Medien geführte öffentliche Debatte sowie nicht zuletzt auch die betriebswirtschaftliche Ausbildung scheinen Bürger eher zu unselbständigem und teils sogar zu egoistischem Handeln zu erziehen. Eher risikoavers eingestellte Absolventen betriebswirtschaftlicher Studiengänge wählen daher nicht selten den Einstieg in letztlich risikoarme, aber gut bezahlte Positionen, beispielsweise im Investment Banking. Unternehmer sind dagegen in ihrer Persönlichkeit eher geneigt, sich ökonomischen Risiken zu stellen, um diese zu bewältigen. Die vielfach diskutierte und auch vollzogene Einrichtung von Entrepreneurship-Lehrstühlen führt leider auch nicht dazu, dass sich junge Menschen unternehmerisches Gedankengut zu eigen machen (können). Hierzu bedarf es zunächst einer geeignet erscheinenden Erziehung im Elternhaus, in den Schulen und Hochschulen, die unternehmerisches Gedankengut pflegt und fördert. Zudem wäre das aktive Engagement erfolgreicher Unternehmer in Schulen und Hochschulen überaus nützlich, denn auch erfolgreiche und anerkannte Vorbilder prägen menschliches Verhalten. Darüber hinaus fehlt bisher die einerseits breite und andererseits auch wohlmeinende gesellschaftliche Diskussion dieses wichtigen Themenfeldes des Unternehmertums, das einen wesentlichen Grundpfeiler der ökonomischen Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft darstellt.
Gerade Wege aus Wirtschaftskrisen führen letztlich nur über mehr Unternehmertum, da die Kultur unternehmerisch geführter Unternehmen von höherer Loyalität zu Mitarbeitern und lokalen Märkten geprägt ist, statistisch diese Unternehmen mehr Arbeitsplätze kreieren und mehr innovieren, ihre meist geringe Grösse diese Unternehmen beweglicher und reaktionsschneller als managergeführte Grossunternehmen macht und – nicht zuletzt – zahlreiche Familienunternehmen über eine komfortable Liquiditätssituation verfügen, die sie in die Lage versetzen, anders mit Krisen umzugehen. Dies sind zudem allesamt Vorzüge, die allerdings auch und erst Recht in wirtschaftlich stabilen Zeiten die Prosperität unserer Gesellschaft im globalen Wettbewerb sichern.
Die wichtigsten Punkte
* Unternehmertum ist kein neues Phänomen, sondern die Wiederentdeckung seit langem bekannter Konzepte.
* Unternehmertum ist der Motor volkswirtschaftlichen Wachstums.
* Der Unternehmer ist das zentrale Element von Innovationsprozessen, die im Sinne einer «schöpferischen Zerstörung» wirken.
* Unternehmer praktizieren im Vergleich zu Managern tendenziell einen Führungsstil, der auf dem Konzept des Vorlebens beruht.
* Visionäre mittelständische Unternehmer können aufgrund ihrer Flexibilität und Innovationskraft im Wettbewerb sogar mit Grossunternehmen bestehen.
Verfasser des Artikels aus dem Wirtschaftsmagazin:
Prof. Dr. Wolfgang Becker
» www.professorwbecker.de
Lebenskonzept Unternehmertum setzt sich als politisch unabhängige Initiative dafür ein, die Leitgedanken und Aspekte des Unternehmertums durch gesellschaftliche Diskussion sowie den Austausch mit der Wissenschaft in einer breiten Öffentlichkeit zu verankern. Die Initiative unterstützt aktive und zukünftige Unternehmer zudem mit geeigneten Plattformen, sich über das Lebenskonzept Unternehmertum und seine Herausforderungen auszutauschen.
Lebenskonzept Unternehmertum wird bereits von zahlreichen Vertretern aus Unternehmen, Wissenschaft und Bildung, Verbänden, Wirtschaftsförderern und Medien mitgetragen.
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Manuela Stier